Energiekonzern E.ON erwartet 2013 Gewinnrückgang

Mittwoch, 30. Januar 2013, 13:01 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Der von der Atomwende gebeutelte Energiekonzern E.ON will sich mit der Stilllegung unrentabler Kraftwerke gegen die schwindenden Gewinne stemmen.

E.ON-Chef Johannes Teyssen erwartet wegen der gefallenen Strom-Großhandelspreise und der schlechten Auslastung vor allem seiner Gaskraftwerke 2013 schwächere Geschäfte. 2012 konnte der Versorger noch zulegen. So sei der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) nach ersten Berechnungen um 16 Prozent auf 10,8 Milliarden Euro gestiegen, teilte E.ON am Mittwoch mit. Der für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettogewinn habe sich auf 4,3 Milliarden Euro von 2,5 Milliarden Euro erhöht. Damit traf E.ON die Markterwartungen. Die Aktie legte nach den Zahlen zu.

"E.ON wird seine konventionelle Erzeugung so restrukturieren, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Kraftwerksflotte zügig verbessert wird", erklärte der Konzern. Daher werde geprüft, Anlagen in Europa stillzulegen. Bis zum Jahr 2015 könnten bis zu 30 Anlagen mit einer Leistung von bis zu elf Gigawatt vom Netz gehen. Dies entspricht einer Leistung von etwa elf Atomkraftwerken. E.ON hatte in den vergangenen Jahren vor allem in neue Gaskraftwerke investiert. Diese müssen aber wegen des in Deutschland vorrangig eingespeisten Ökostroms immer häufiger zurückgefahren werden. Zudem sind die Großhandelspreise in Europa wegen der schwachen Nachfrage in den schuldengeplagten Staaten Südeuropas deutlich gefallen.

NEUE PROGNOSE FÜR 2013 - KONZERN ERWARTET GEWINNRÜCKGANG

Teyssen will wie angekündigt, für 2012 eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie zahlen. Einen klaren Wert für 2013 nannte er nicht. Die Höhe solle künftig aber wieder 50 bis 60 Prozent des nachhaltigen Nettogewinns betragen. Die Geschäftsaussichten für 2013 hätten sich verschlechtert. Für das laufende Jahr rechne der Versorger mit einem Ebitda von 9,2 bis 9,8 Milliarden Euro. Der nachhaltige Nettogewinn solle bei 2,2 bis 2,6 Milliarden Euro liegen. Teyssen hatte im November die Prognose für 2013 gekippt, die noch ein Ebitda von 11,6 bis 12,3 Milliarden vorgesehen hatte. Während die Aktie damals auf Talfahrt gegangen war, legte sie am Mittwoch leicht um 0,3 Prozent zu.

E.ON drücken nach einer Einkaufstour unter Teyssens Vorgänger Wulf Bernotat Schulden in Höhe von über 35 Milliarden Euro. Teyssen treibt ein Sparprogramm voran, das den Abbau von 11.000 Stellen, davon rund 6000 in Deutschland, vorsieht. Weltweit hat E.ON rund 73.000 Mitarbeiter. Nach dem sich die Proteste gegen das Sparprogramm gelegt haben, liegt E.ON mit den Arbeitnehmervertretern nun erneut im Clinch. Die Gewerkschaften haben die laufenden Tarifverhandlungen für gescheitert erklärt und werden womöglich schon für die kommende Woche erstmals in der Unternehmensgeschichte zu unbefristeten Streiks aufrufen.