AstraZeneca spürt scharfen Gegenwind von Generikafirmen

Donnerstag, 31. Januar 2013, 12:31 Uhr
 

London (Reuters) - Der britische Pharmakonzern AstraZeneca erwartet wegen auslaufender Patente und wachsender Konkurrenz durch Generikafirmen ein hartes Jahr.

Der Umsatz werde wohl im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich sinken, kündigte der neue Vorstandschef Pascal Soriot am Donnerstag bei Vorstellung der Quartalsbilanz an. Der Gewinn dürfte sogar noch deutlicher zurückgehen. Bereits im vierten Quartal schrumpfte der Umsatz um 16 Prozent auf 7,3 Milliarden Dollar. Dies wirkte sich trotz Einsparungen und positiver Steuereffekte auch auf den Gewinn aus, der um drei Prozent auf 1,56 Dollar je Aktie sank. Die Erwartungen von Analysten wurden aber übertroffen.

Wegen der mageren Geschäftserwartungen musste die Aktie von AstraZeneca dennoch kräftig Federn lassen. Die Anteilsscheine fielen an der Londoner Börse zeitweise mehr als fünf Prozent.

"Unsere Geschäftsentwicklung 2012 spiegelt eine Zeit mit erheblichen Patentabläufen und weltweit schwieriger Marktbedingungen wider", sagte Soriot. Dabei stehen 2014 und 2016 die ganz großen Brocken erst noch an, wenn in den USA die Patente für das Magenmittel Nexium und den Cholesterinsenker Crestor ablaufen. Crestor brachte 2012 dem Konzern 6,25 Milliarden Dollar Umsatz ein, Nexium 3,9 Milliarden. Das sind zusammen etwas mehr als ein Drittel des Konzernumsatzes, der 2012 um 17 Prozent auf 27,9 Milliarden Dollar sank.

Der Neue an der Spitze des zweitgrößten britischen Pharmakonzerns, der im Oktober vom Schweizer Rivalen Roche kam, steht somit vor einer Herkulesaufgabe. Denn der Nachschub an neuen Präparaten, der die Umsatzeinbußen ausgleichen könnte, ist eher spärlich.

Dass Soriot dennoch fest entschlossen ist, das Ruder herum zu reißen, machte er bereits deutlich: Gleich an seinem ersten Tag als neuer AstraZeneca-Chef stoppte er das laufende Aktienrückkaufprogramm. Das gab Anlass zu Spekulationen, Soriot werde die frei werdenden Finanzmittel für Zukäufe einsetzen, um so rasch wieder für mehr Umsatz zu sorgen. Am Markt wurde daraufhin über eine Übernahme des Rivalen Shire spekuliert. Andere Analysten halten es eher für möglich, dass Soriot Pipeline und Umsatz durch eine Vielzahl kleinerer und mittelgroßer Zukäufe aufpäppeln wird.

VERÄNDERUNGEN IM MANAGEMENT

Klar ist bereits, dass AstraZeneca sein Geschäft in Schwellenländern künftig noch mehr ausbauen will. Zu den Wachstumsfeldern zählt Soriot darüber hinaus das Geschäft mit Diabetes-Arzneien. Ein Hoffnungsträger ist zudem das neue Medikament Brilinta für Herzerkrankungen. Brilinta blieb allerdings mit Umsätzen von 38 Millionen Dollar im vierten Quartal hinter den Erwartungen zurück. Positive Überraschungen halten Experten auch beim Diabetes-Mittel Onglyza für möglich, das der Konzern zusammen mit dem US-Konzern Bristol-Myers Squibb vertreibt. Genaueren Einblick in seine Strategie will Soriot am 21. März geben.

Im Management hat Soriot bereits Veränderungen eingeleitet: So mussten der bisherige Forschungs- und Entwicklungschef sowie der Vertriebschef ihren Hut nehmen. Beide Ressorts werden zudem neu aufgeteilt und die Zuständigkeiten straffer organisiert. Damit will der AstraZeneca-Chef die Führung des Konzerns schlagkräftiger machen und Bürokratie abbauen.