Börsenkandidat LEG Immobilien kommt bei Investoren an

Donnerstag, 31. Januar 2013, 15:59 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der erste Börsengang des Jahres in Deutschland ist offenbar geglückt.

Für die Aktien des nordrhein-westfälischen Wohnungskonzerns LEG Immobilien zeichnet sich laut Finanzkreisen ein Ausgabepreis zwischen 44 und 45 Euro ab. Die Eigentümer der LEG Immobilien, die Finanzinvestoren Whitehall und Perry Capital, können mit einem Erlös zwischen 1,34 und 1,37 Milliarden Euro rechnen. Die begleitenden Banken hätten Investoren mitgeteilt, dass sie mit Zeichnungsaufträgen unter 44 Euro keine Chance auf eine Zuteilung hätten, sagten drei mit dem Prozess vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Die Zeichnungsfrist war am Mittag abgelaufen, der Ausgabepreis sollte am Abend festgelegt werden.

LEG Immobilien ist damit der zweitgrößte Börsengang in den vergangenen fünf Jahren in Deutschland. Mit einem Börsenwert von gut 2,3 Milliarden Euro könnte die LEG rasch mit einem Aufstieg in den Nebenwerteindex MDax rechnen. Der Börsenwert entspricht in etwa dem Nettovermögenswert (NAV) der Wohnungen. Im Oktober hatte die Telefonica-Deutschland-Tochter O2 der Mutter beim Börsengang mehr als 1,4 Milliarden Euro eingebracht. O2 beendete damit eine seit 2007 währende Durststrecke am Markt für milliardenschwere Aktienemissionen.

ERSTE CHANCE GENUTZT

LEG Immobilien wird von der Investmentbank Goldman Sachs, die die Whitehall-Fonds aufgelegt hatte, und von der Deutschen Bank an die Frankfurter Börse gebracht. LEG nutzte die erste Gelegenheit im Jahr, den Schritt an den Aktienmarkt zu machen. Weitere größere Börsengänge werden frühestens im April erwartet.

Der Erfolg der LEG-Platzierung hatte sich abgezeichnet: Am Dienstag meldeten die Banken Interessenten, dass die Nachfrage für die gut 30 Millionen Euro in der Mitte der von 41 bis 47 Euro reichenden Preisspanne bereits ausreiche. Inoffiziell lag die Spanne seither bei 43 bis 45 Euro. Nun hieß es, auch bei 45 Euro lägen genügend Angebote vor. Doch sind die Emittenten und Banken oft wählerisch: Sie wollen nicht zu viele Aktien an kurzfristig orientierte Investoren ausgeben, um einen Kursrutsch nach der Erstnotiz zu vermeiden. "Ich könnte mit vorstellen, dass die Emission bei 44 Euro drei- bis viermal überzeichnet sein wird", sagte ein beteiligter Banker.

Die Düsseldorfer LEG Immobilien ist mit 91.000 Wohnungen in Nordrhein-Westfalen einer der größten privaten Wohnungseigner in Deutschland. Nach dem Börsengang sollen bis zu 57,5 Prozent der Aktien im Streubesitz sein. Whitehall hält dann noch 33 Prozent, der Hedgefonds Perry Capital reduziert seine Beteiligung leicht auf knapp zehn Prozent. Der Ausstieg ist für beide lukrativ: Whitehall und Perry hatten 2008 rund 3,4 Milliarden Euro an das Land Nordrhein-Westfalen gezahlt, einschließlich 2,6 Milliarden Euro Schulden. Von den Verbindlichkeiten wurde wenig abgetragen, dafür zogen die beiden 350 Millionen Euro aus der LEG heraus.

Dem Düsseldorfer Konzern bleiben aber nach eigenen Angaben noch 170 Millionen Euro an liquiden Mitteln. Sie reichten für den Kauf von weiteren 10.000 Wohnungen in den kommenden zwei Jahren. Zudem lockt die LEG die Investoren mit einer hohen Dividende.