E.ON-Beschäftigte wollen ab Montag erstmals streiken

Freitag, 1. Februar 2013, 13:14 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Die Beschäftigten von E.ON wollen am Montag erstmals in der Geschichte des Energiekonzerns in einen unbefristeten Streik treten.

Auf der Urabstimmung hätten sich über 90 Prozent der Mitglieder für den Arbeitskampf ausgesprochen, nachdem eine Einigung im Tarifkonflikt nicht zustande kam, teilten die Gewerkschaften Verdi und IG BCE am Freitag mit. Auch in der Energieerzeugung solle die Arbeit niedergelegt werden. Die Bürger müssten aber keine Versorgungsengpässe befürchten. Die Gewerkschaften fordern für die rund 30.000 Beschäftigten von E.ON in Deutschland 6,5 Prozent mehr Lohn. Der Energieriese hatte zuletzt 1,7 Prozent angeboten.

Verdi zufolge wäre der Streik der erste in der privaten Energiewirtschaft der Bundesrepublik überhaupt. Die Gewerkschaften haben angekündigt, E.ON frühzeitig vorzuwarnen, so dass der Konzern an der Börse kurzfristig Strom zukaufen kann. Gestreikt werde sowohl im Bereich der Energieerzeugung als auch im Service- und Abrechnungsbereich, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Erhard Ott. Fernwärmelieferungen würden jedoch aufrechterhalten, so dass die Bürger nicht befürchten müssten, im Kalten zu sitzen. Es sei jetzt an E.ON, ein verbessertes Angebot vorzulegen.

E.ON FORDERT WEITERE VERHANDLUNGEN MIT GEWERKSCHAFTEN

Das Management rief die Gewerkschaften zu weiteren Gesprächen auf. "Wir hoffen sehr, dass wir noch vor Beginn eines möglichen Streiks an den Verhandlungstisch zurückkehren und eine für beide Seiten tragbare Lösung erreichen können, sagte E.ON-Personalvorstand Regine Stachelhaus. Der Konzern habe immer wieder deutliche Kompromiss- und Bewegungsbereitschaft gezeigt. "Wir müssen jetzt dringend weiter miteinander sprechen und eine Lösung finden, die einen Streik vermeidet. Dazu ist E.ON grundsätzlich bereit."

Vorstandschef Johannes Teyssen hatte am Mittwoch den legendären Satz des früheren SPD-Fraktionschefs Herbert Wehner zitiert: "Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen." Auswirkungen auf die Ergebnisprognose befürchte er durch einen Ausstand nicht, hatte er in einer Telefonkonferenz betont. "Wir gehen davon aus, dass ein sozial verantwortbarer Kompromiss zu gegebener Zeit möglich sein wird."

Der Arbeitskampf trifft den größten deutschen Energiekonzern in einer schwierigen Lage. Der im Jahr 2000 gegründete Versorger kämpft mit Einbußen durch den Atomausstieg, einer schwachen Auslastung seiner Gaskraftwerke, schwindenden Strom-Großhandelspreisen und Schulden von über 35 Milliarden Euro. Im laufenden Geschäftsjahr erwartet der Versorger einen Gewinnrückgang. Zudem haben sich in dem Unternehmen die Wogen wegen Teyssens Kürzungsplänen gerade erst wieder gelegt. Teyssen will rund 11.000 Stellen streichen, darunter 6000 in Deutschland. Nach monatelangen Protesten hatte sich der Konzern mit den Gewerkschaften auf eine möglichst sozialverträgliche Umsetzung der Pläne geeinigt.

 
The headquarters of German utility giant E.ON is pictured before the annual news conference in Duesseldorf March 14, 2012.