US-Pharmakonzern Merck blickt mit Vorsicht auf 2013

Freitag, 1. Februar 2013, 17:05 Uhr
 

New York (Reuters) - Der US-Pharmariese Merck & Co steckt den Patentverlust seines einstigen Top-Medikaments gegen Asthma überraschend gut weg.

Kräftige Umsatzzuwächse mit Diabetes-Präparaten federten den Einbruch beim Asthma-Mittel Singulair ab. Zwar schrumpfte der Gewinn im vierten Quartal um sieben Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar, wie der nach Pfizer zweitgrößte amerikanische Arzneimittelhersteller am Freitag mitteilte. Damit schnitt Merck & Co aber besser ab als Analysten erwartet hatten. Anleger überzeugte das jedoch nicht, denn Konzernchef Kenneth Frazier legte einen eher vorsichtigen Geschäftsausblick für das laufende Jahr vor. Zudem verzögert sich voraussichtlich der Marktstart eines wichtigen neuen Medikaments. Die Merck & Co-Aktie verlor daraufhin im US-Börsenhandel 3,5 Prozent.

Vor Sondereinflüssen verdiente Merck & Co im vierten Quartal 83 Cent je Aktie. Das sind zwei Cent mehr als Analysten dem Konzern aus Whitehouse Station in New Jersey zugetraut hatten.

Für das laufende Jahr erwartet Merck & Co jetzt einen um Sondereinflüsse bereinigten Gewinn je Aktie zwischen 3,60 und 3,70 Dollar. Das wäre ein Rückgang verglichen mit den 3,82 Dollar im Jahr 2012. Analysten hatten zuletzt für 2013 mit 3,68 Dollar gerechnet. Zudem hieß es, der Umsatz werde 2013 auf Basis gleichbleibender Wechselkurse wohl nur auf Vorjahresniveau bleiben. Merck-Chef Frazier gab zudem bekannt, dass sich der Markstart des neuen Osteoporose-Mittels Odanacatib voraussichtlich hinausschiebt. Der Konzern will jetzt erst nächstes Jahr die Zulassung in den USA beantragen.

Das sind keine guten Nachrichten für das Unternehmen, dessen einstiger Kassenschlager Singulair seit August in den USA im Wettbewerb mit den Kopien der Generikaindustrie steht. Das Präparat stand einmal für Jahresumsätze von rund sechs Milliarden Dollar. Im Zeitraum Oktober bis Dezember nahm Merck & Co mit Singulair nur noch 480 Millionen Dollar ein. Das ist ein Einbruch um 67 Prozent binnen Jahresfrist. Der Patentausfall hinterließ im Konzernumsatz seine Spuren, der im vierten Quartal um fünf Prozent auf 11,74 Milliarden Dollar sank. Rund lief es dagegen bei den Diabetes-Arzneien Januvia und Janumet, deren Erlöse dank guter Geschäfte in Japan und in den USA zusammengenommen im Schlussquartal um 18 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar kletterten. Auch der Impfstoff Gardasil gegen Gebärmutterhalskrebs schlug sich sehr gut: Die Umsätze schnellten um 61 Prozent auf 442 Millionen Dollar in die Höhe.

GENERIKA-KONKURRENZ DROHT BEI WEITEREN ARZNEIEN

Neuer Ungemach durch Generika droht Merck & Co in diesem Dezember, wenn das Patent-Aus für das Migräne-Mittel Maxalt ansteht. Das Präparat brachte Merck & Co zuletzt immerhin 600 Millionen Dollar im Jahr ein. 2014 dürften dann die Schutzrechte für das Krebsmittel Temodar ablaufen. Gegensteuern will Merck mit neuen Medikamenten: In diesem Jahr will der Konzern für fünf Präaprate die Zulassung beantragen, auch das mit Spannung erwartete Präparat Suvorexant gegen Schlafstörungen ist dabei. Merck-Chef Frazier bekräftigte zudem, er werde auch Zukäufe ausloten, um den Konzern voranzubringen.