Bank Bär kann Wachstum nicht in Gewinn ummünzen

Montag, 4. Februar 2013, 14:36 Uhr
 

Zürich (Reuters) - Die Schweizer Privatbank Julius Bär kann den stetigen Zufluss von Kundenvermögen nicht in Erträge ummünzen.

Trotz des Anstiegs der verwalteten Vermögen auf einen Rekordstand verdiente der größte börsennotierte Vermögensverwalter des Landes 2012 weniger. Anhaltend sinkende Erträge drückten den um Sonderfaktoren bereinigten Gewinn Unternehmensangaben vom Montag wegen zufolge um vier Prozent auf 433 Millionen Franken. Nun hofft Bär, dass die Kunden ihre Risikoscheu ablegen - und mit zunehmendem Börsenhandel wieder mehr Geld in die Kassen fließt. "Wenn sich die Marktstimmung erholt, erwarten wir einen schönen Anstieg der Erträge", sagte Konzernchef Boris Collardi auf der Bilanzpressekonferenz.

Die Entwicklung zum Jahresanfang nährt die Hoffnung des Zürcher Geldhauses. "Die Stimmung der Anleger scheint im Januar gedreht zu haben", sagte Collardi. Die Investoren kauften vermehrt Aktien, strukturierte Produkte oder Fonds. Während der Krise hatten viele Anleger auf solche Transaktionen verzichtet und einen beträchtlichen Teil ihres Geldes auf Bankkonten und in anderen Anlageformen deponiert, bei denen die Bank kaum etwas verdient. So sackte die Bruttomarge, die im ersten Halbjahr 2009 noch bei 119 Basispunkten lag, bis im zweiten Semester 2012 auf 94 Punkte ab.

Den anhaltenden Rückgang des Bruttogewinns gemessen an den verwalteten Vermögen machten Händler auch für den Kursverlust der Aktie verantwortlich. Der Titel, der im laufenden Jahr bisher 16 Prozent zugelegt hat, büsste 3,6 Prozent auf 36,20 Franken ein. Der Branchenindex gab lediglich um 1,5 Prozent nach. Zudem zähle Bär gemessen am Kursgewinn-Verhältnis zu den am höchsten bewerteten Aktien der Branche.

Neben den geringen Handelsaktivitäten machen Analysten aber auch einen strukturellen Grund für den Margenrückgang aus. Julius Bär wachse vor allem in Märkten, wo die Margen deutlich niedriger seien als im traditionellen grenzüberschreitenden Schweizer Private Banking, erklärte Kepler-Analyst Dirk Becker.

Bär-Angaben zufolge zogen auch deutsche Kunden Gelder von Konten in der Schweiz ab. Selbstanzeigen bei den Steuerbehörden seien Auslöser der Abflüsse. Im lokalen deutschen Geschäft und vor allem in Schwellenländern Asiens, Lateinamerikas, dem Nahen Osten und Osteuropas sammelte das Institut dagegen kräftig Geld ein. Unter dem Strich belief sich der Neugeldzufluss auf 9,7 Milliarden Franken. Zusammen mit dem Wertanstieg der Kundenvermögen, der auf die Erholung der Finanzmärkte zurückging, sorgte dies für ein Anstieg der verwalteten Vermögen um elf Prozent auf den Höchststand von 189 Milliarden Franken.

Im laufenden Jahr dürfte Bär das Wachstum beschleunigen. Das Institut bestätigte das mittelfristige Ziel einer jährlichen Neugeldrate von vier bis sechs Prozent. Dazu kommt das kürzlich übernommene internationale Vermögensverwaltungsgeschäft von Bank of America Merrill Lynch, das schrittweise an Bär übertragen wird. Anfang Februar übernahm Bär die erste Tochtergesellschaft und ihre elf Milliarden Franken an verwalteten Vermögen, so dass der Gesamtbestand die Marke von 200 Milliarden Franken nun übertrifft. Bär rechnet damit, dass auf diesem Weg bis Ende 2014 bis zu 72 Milliarden Franken dazukommen.

Die Zahl ist eine Schätzung, weil im Zuge von solchen Übernahmen erfahrungsgemäß ein Teil der Kunden abspringt. Für viele Kunden ist der persönliche Berater wichtiger als die Bank, sodass es für einen Käufer wichtig ist, die Berater an sich zu binden. Collardi erklärte, die große Mehrheit der Merrill-Lynch-Berater habe signalisiert, dass sie an Bord kommen wolle. Die Integration verlaufe nach Plan. Bär bezahlt nur für die Vermögen, die tatsächlich übertragen werden. Bei 72 Milliarden wären dies 860 Millionen Franken. Das Merrill-Lynch-Geschäft ist zwar in den stark wachsenden Märkten wie etwa Indien gut positioniert, schreibt aber Verluste.