Bundesbankerin Lautenschläger nimmt Bankmanager ins Visier

Dienstag, 5. Februar 2013, 08:34 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger will die Bonuszahlungen für Bankenmanager notfalls mit Hilfe des Gesetzgebers zügeln.

"Die Finanzindustrie muss weltweit dafür sorgen, dass beim Wettkampf um die besten Köpfe keine absurden Bonusvereinbarungen angeboten werden", sagte sie dem "Handelsblatt" vom Dienstag. Der Gesetzgeber sollte gegebenenfalls Bankgehälter deckeln. "Ja, auch wenn dies ein schwieriges Unterfangen ist", antwortete sie auf eine entsprechende Frage. Zwar seien Entlohnungsregeln in diese Bereich bereits verändert worden. "Es ist aber noch nicht alles getan", analysierte Lautenschläger.

Für sinnvoll hält es die Bundesbankerin beispielsweise, einen größeren Tei der Bonusansprüche von Bank-Managern über einen längeren Zeitraum, etwa fünf Jahre oder mehr, zurückzuhalten. Zudem müssten solche Vergütungsregeln international abgestimmt werden. Lautenschläger hält es auch für überlegenswert, einen Teil der Bonusansprüche über Schuldtitel der jeweiligen Institute abzugelten, die dann unter Umständen auch an Verlusten der Banken teilhaben.

Die deutschen Untersuchungen zu Manipulationen des Libor-Referenzzinssatzes seien bei manchen Banken inzwischen abgeschlossen, sagte Lautenschläger, ohne Namen zu nennen. Sie plädierte für eine Überarbeitung der Libor- und Euribor-Modelle, die konzeptionelle Schwächen aufwiesen. Ob deren Abschaffung Sinn mache, daran habe sie aber Zweifel. Lautenschläger sprach sich für ein hartes Vorgehen gegen die Verantwortlichen dieser Manipulationen aus. "Ich halte es für absolut richtig, dass der europäische Gesetzgeber darüber nachdenkt, derartige Manipulationen strafrechtlich zu ahnden."

In Hinblick auf die aufsichtsrechtlichen Konsequenzen aus dem Libor-Skandal in Deutschland ist nach Lautenschläger Worten entscheidend, welche Mängel in Geschäftsabläufen gefunden wurden und ob es Anhaltespunkte gibt, dass die Geschäftsleitung von den Manipulationen wusste.

Pläne, Bereiche wie den Eigenhandel und Kredite an Hedge-Fonds in einer separaten Unternehmenseinheit von Banken zu führen, bewertete Lautenschläger als "ein Instrument zum Schutz der Einlageninstitute". Entscheidend für sie sei aber, "dass für die Realwirtschaft auch weiterhin das bewährte Universalbankensystem erhalten bleibt", sagte sie.

Das Bundeskabinett berät am Mittwoch über ein Bündel von Maßnahmen zur Finanzmarktregulierung. Dazu gehört auch das Vorhaben, den risikoträchtigen Eigenhandel der Banken vom Einlagengeschäft zu trennen. Auch will die Bundesregierung Bank-Manager mit Haftstrafen bedrohen, wenn sie Sorgfaltspflichten bei riskanten Geschäften verletzen.