KPN kündigt Milliarden-Kapitalerhöhung an - Aktie fällt

Dienstag, 5. Februar 2013, 11:36 Uhr
 

Brüssel/Frankfurt (Reuters) - Der niederländische Telefonkonzern KPN will wegen schrumpfender Geschäfte und hoher Investitionen in sein Netz Milliarden an frischem Geld hereinholen.

Geplant sei eine Kapitalerhöhung im Volumen von vier Milliarden Euro, teilte die E-Plus-Mutter am Dienstag mit. Die Emission müsse noch von den Anteilseignern - unter anderem von Großaktionär Carlos Slim - abgesegnet werden. "Um unsere Strategie voranzutreiben und KPN für künftiges Wachstum zu positionieren, müssen wir unsere Bilanz stärken", sagte Konzernchef Eelco Blok. Ende 2012 überstiegen die Schulden den operativen Gewinn (Ebitda) um das Dreifache. Mit der Kapitalerhöhung würde der Schuldenberg nur noch das 2,1-fache des Ebitda betragen, erklärte KPN. Anleger reagierten schockiert: Die Titel des Ex-Telefonmonopolisten brachen an der Amsterdamer Börse in der Spitze um 25 Prozent auf 3,07 Euro ein - der größte Kurssturz der Unternehmensgeschichte auf den tiefsten Stand seit elfeinhalb Jahren.

Mit den Geschäften auf den drei Hauptmärkten Niederlande, Belgien und Deutschland ging es im vergangenen Jahr abwärts. Wegen der trüben Wirtschaftsaussichten hätten viele Privatkunden und Firmen ihr Geld zusammengehalten, während der Wettbewerb im Mobilfunkmarkt härter geworden sei, sagte Blok. Der Jahresüberschuss sei deshalb um 55 Prozent auf 691 Millionen Euro eingebrochen - im vierten Quartal schlug sogar ein Fehlbetrag von 160 Millionen Euro zu Buche. Der Jahresumsatz erodierte um 3,5 Prozent auf 12,7 Milliarden Euro.

KPN hat bereits eine Reihe von Geschäftsteilen verkauft, um seine Schulden zu reduzieren - unter anderem die Funkmasten in Deutschland und den Niederlanden. Auch die Dividende wurde bereits gekürzt - unter anderem, um hohe Investitionen in neue Funklizenzen zu finanzieren. Im vergangenen Jahr hatte der mexikanische Telekom-Milliardär Slim mit seinem Konzern America Movil einen Anteil von 28 Prozent an KPN erworben.

Schwierig waren die Geschäfte zudem bei der Cash Cow des Konzerns, der deutschen Tochter E-Plus: Das Betriebsergebnis (Ebitda) sank 2012 um 4,7 Prozent auf 1,29 Milliarden Euro. Zu Buche schlugen vor allem die Kosten für die Vermarktung von Pauschaltarifen und der Neustart der Marke Base, mit der sich Deutschlands drittgrößter Mobilfunker an besonders preissensible Handynutzer wendet. Dank der Werbeoffensive stieg die Kundenzahl im vergangenen Jahr um 680.000. Damit telefonieren 23,4 Millionen Bundesbürger mit E-Plus.