BP schrumpft sich vor neuem Ölpest-Prozess zurecht

Dienstag, 5. Februar 2013, 13:43 Uhr
 

London (Reuters) - Die verheerende Ölpest im Golf von Mexiko hat den Ölmulti BP auch nach fast drei Jahren noch immer fest im Griff.

Der britischen Konzern bereitet sich mit dem Verkauf riesiger Geschäftsteile auf weitere Strafzahlungen vor und verdiente dadurch zuletzt ein Fünftel weniger. BP war einst der zweitgrößte westliche Ölkonzern - mittlerweile hat der Schrumpfkurs den Konzern auf den vierten Platz zurückgeworfen.

Noch in diesem Monat läuft in den USA ein weiteres Verfahren an - BP droht dabei die schwerste Strafe im Zusammenhang mit der Explosion der Bohrplattform Deepwater Horizon, bei der im April 2010 elf Arbeiter ums Leben kamen. Fast 90 Tage floss damals unkontrolliert Öl ins Meer, weil BP das Leck nicht stopfen konnte. Die größte Ölpest in der US-Geschichte hinterließ enorme Schäden in der Natur sowie für die Fischerei und den Tourismus.

GEWINN SINKT AUF VIER MILLIARDEN DOLLAR - AKTIE STEIGT

BP hat seit der Umwelt-Katastrophe Geschäftsteile für insgesamt knapp 38 Milliarden Dollar verkauft und Rückstellungen in Höhe von gut 42 Milliarden vorgenommen. Der Großteil davon ist mittlerweile in Form von Schadenersatz und Strafen ausgezahlt worden. In diesem Jahr dürften BP noch einmal durch den Verkauf seiner Aktivitäten in Russland an den dortigen Staatskonzern Rosneft zwölf Milliarden Dollar zufließen. Gleichzeitig dürften weitere Milliarden abfließen - entweder bei einer außergerichtlichen Einigung mit den US-Behörden oder aber in Form weiterer Strafen bei dem am 25. Februar beginnenden Prozess.

Die Verkleinerung des Konzerns schlug sich in der am Dienstag vorgelegten Bilanz deutlich nieder: Der Gewinn sank gegenüber dem Vorjahr um eine Milliarde Dollar auf netto 3,98 Milliarden, die Förderung von Öl und Gas ging um sieben Prozent zurück. Dabei schlug sich BP sogar noch besser als erwartet: Branchenexperten hatten im Schnitt nur mit einem Gewinn von 3,3 Milliarden Dollar gerechnet. Allerdings schränkten sie ein, dass der Gewinn derzeit wegen des Konzernumbaus von zahlreichen Sondereffekten wie Steuern beeinflusst wird, die schwer einzuschätzen sind. Dennoch zeigten sich Börsianer zufrieden mit den Zahlen und kauften die Aktie, die zwei Prozent zulegte.

BP-CHEF HAT BEREITS 2014 IM BLICK

Vorstandschef Bob Dudley räumte ein, dass sich der Umbau auch in diesem Jahr in den Geschäftszahlen niederschlagen wird. Er zeigte sich jedoch gleichzeitig optimistisch für die Zeit danach. So will BP noch in diesem Jahr vier große Förderprojekte in Betrieb nehmen und 2014 weitere sechs. Wie seine Rivalen kämpft BP mit steigenden Kosten und investiert jedes Jahr zweistellige Milliardenbeträge, um die Produktion am Laufen zu halten und neue Vorkommen zu erschließen.

Ein wichtiger Gewinntreiber war zuletzt das Raffinerie-Geschäft und auch hier wittert BP Morgenluft. Denn in diesem Jahr soll eine umfangreich modernisierte Anlage in den USA an den Start gehen. Auch bei den größeren US-Rivalen Exxon und Chevron war dieser Geschäftsteil zuletzt der wichtigste Antrieb für den Gewinn.