Metro zieht mit neuem Vorstand Zügel bei Media-Saturn an

Dienstag, 5. Februar 2013, 14:09 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Der Handelsriese Metro will mit einem neuen Vorstandsmitglied Europas größte Elektrohandelskette Media-Saturn an die kurze Leine nehmen.

Pieter Haas, derzeit noch Mitglied der Geschäftsführung bei Media-Saturn, solle in die Führung der Konzernmutter Metro aufrücken und sich dort um die Ingolstädter Tochter kümmern, wie der Handelskonzern am Dienstag in Düsseldorf mitteilte. Die Einrichtung der neuen Vorstandsstelle unterstreiche die "strategische Bedeutung von Media-Saturn für den Konzern", Haas solle eng mit Media-Saturn zusammenarbeiten. Auf den 49-jährigen kommt eine schwierige Aufgabe zu: Die Media-Saturn-Gesellschafter sind zerstritten, die Kette kämpft mit sinkenden Gewinnen und der harten Konkurrenz im Online-Handel. Media-Saturn-Miteigner Erich Kellerhals warf der Metro umgehend "schlechten Stil" vor.

Haas sei ein "ausgewiesenen Kenner des Geschäfts von Media-Saturn", betonte Metro-Aufsichtsratschef Franz Markus Haniel. Der Niederländer sei ein "Experte für Unterhaltungselektronik", unterstrich Metro-Chef Olaf Koch - und ein Fachmann für das Multichannel-Geschäft. Die Verknüpfung des Online-Handels mit dem Geschäft in den Filialen gewinnt für Media-Saturn zunehmend an Bedeutung. Schließlich machen der Kette auch Internet-Händler wie Amazon zu schaffen. Haas, der seit 2011 bei Media-Saturn arbeitete, war dort zuletzt unter anderem für das Online-Geschäft zuständig. Investoren begrüßten die Berufung: Metro-Aktien notierten am Mittag mit einem Plus von rund einem Prozent bei 22,58 Euro.

KELLERHALS - METRO SCHWÄCHT MEDIA-SATURN

Media-Saturn-Alteigner Kellerhals kritisierte dagegen, die Metro wolle ohne das Einvernehmen seiner Vermögensverwaltung Convergenta einen Geschäftsführer der Ingolstädter Media-Saturn-Holding (MSH) abwerben. "Damit wird operatives Know-how aus der Geschäftsführung der MSH abgezogen und das Unternehmen geschwächt", erklärte ein Sprecher von Convergenta. "Wir werden uns die Vorgänge sehr genau ansehen", unterstrich er. Ein Metro-Sprecher betonte dagegen, der Konzern habe Haas nicht abgeworben, auch seien alle Gesellschafter "frühzeitig über die Veränderung informiert" worden.

Metro liegt seit Jahren mit Kellerhals im Streit. Dessen umfassende Veto-Rechte sind dem Konzern ein Dorn im Auge. Die Metro-Führung hat die Regelungen bereits vor Gericht angegriffen. Zuletzt hatte Media-Saturn-Mitbegründer Leopold Stiefel angekündigt, seinen Anteil von knapp drei Prozent an der Kette an die Metro verkaufen zu wollen. Kellerhals' Veto-Rechte werden damit aber nicht angetastet.

Media-Saturn hatte im Geschäftsjahr 2012 einen Umsatz von 21 Milliarden Euro eingefahren - knapp ein Drittel des Konzernumsatzes von 66,7 Milliarden Euro. Die Tochter galt in der Vergangenheit auch als Ertragsperle der Metro. Sie war aber vergleichsweise spät in den Online-Handel eingestiegen und versucht nun, mit einer Preisoffensive verlorenes Terrain wieder zu erobern. Im dritten Quartal 2012 war der operative Gewinn (Ebit) bei Media-Saturn um über 40 Prozent auf 76 Millionen Euro eingebrochen. Zudem muss Metro Unternehmenskreisen zufolge rund 230 Millionen Euro aufbringen, um Stiefels Anteil zu übernehmen. Einem Sprecher zufolge wurden dafür aber bereits in der Vergangenheit Rückstellungen gebildet. Auch hatte Metro jüngst den Rückzug von Media-Saturn aus dem chinesischen Markt angekündigt - Experten rechnen dafür mit Rückstellungen von mehr als 100 Millionen Euro.

 
Shopping carts of Germany's biggest retailer Metro AG are lined up at a Metro cash and carry market in the western German city of Sankt Augustin near Bonn May 23, 2012. (GERMANY - Tags: BUSINESS)