Derivate-Geschäfte werden für Monte Paschi noch teurer

Mittwoch, 6. Februar 2013, 17:02 Uhr
 

Siena (Reuters) - Die Verluste aus riskanten Derivate-Geschäften der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi werden Insidern zufolge noch höher ausfallen.

Der Fehlbetrag werde zwischen den bislang bekannten 720 Millionen und einer Milliarde Euro liegen, sagte eine mit der Situation vertraute Person am Mittwoch zu Reuters. Details wurden noch am Mittwochabend nach einer Sitzung des Top-Managements erwartet.

Verwaltungsratschef Alessandro Profumo hatte zuvor angekündigt, die drittgrößte Bank des Landes werde bald Klarheit schaffen. Zuletzt wurde der Verlust aus den drei heiklen Transaktionen auf rund 720 Millionen Euro beziffert. Ein Kollaps drohe allerdings nicht, so Profumo.

Die Zeitung "Il Sole 24 Ore" berichtete unterdessen, der Derivate-Verlust belaufe sich auf 920 Millionen Euro. Hinzu kämen 120 Millionen Euro für Personalkosten, die im Zusammenhang mit dem Skandal stünden. Aus der toskanischen Traditionsbank verlautete, diese Zahl stimme nicht.

Die drei Deals aus den Jahren 2006 bis 2009, an denen die US-Bank JP Morgan, die Deutsche Bank und das japanische Geldhaus Nomura beteiligt waren, werden momentan von externen Beratern unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse sollen dem Monte-Paschi-Verwaltungsrat unter Leitung des Ex-UniCredit-Chefs Profumo zugestellt werden. Die Verluste würden vermutlich zu einer nachträglichen Anpassung der Bilanzen führen und auch den Verlust im Geschäftsjahr 2012, der noch nicht bekannt ist, erhöhen. In den ersten neun Monaten belief sich der Fehlbetrag schon auf 1,66 Milliarden Euro.

Insidern zufolge ist die älteste Bank der Welt in Verhandlungen mit den beteiligten Instituten, um die Transaktionen zu verändern oder zu beenden. Die Gespräche mit der Deutschen Bank liefen gut, die mit Nomura aber nicht, sagte eine mit der Situation vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Die Unternehmen wollten sich nicht dazu äußern.

Die Bank ist bereits seit längerem auf milliardenschwere Staatshilfen angewiesen und nach dem jüngsten Skandal auch ein großes Thema vor der richtungsweisenden Wahl in Italien Ende des Monats. Monte dei Paschi ist stärker als viele andere Banken von der Schuldenkrise getroffen, weil es ein riesiges Portfolio mit italienischen Staatsanleihen hält und die Rezession für hohe Kreditausfälle sorgt. Zuletzt betonte das Management, genügend Puffer für die Derivate-Verluste zu haben. Zweifel bleiben aber: Die Rating-Agentur S&P hat die Bonitätsnote gerade herabgestuft. Sie liegt jetzt im sogenannten Ramsch-Bereich, der Investoren vor größeren Risiken warnt.

- von Silvia Aloisi und Stefano Bernabei

 
The Monte Dei Paschi bank headquarters is pictured in Siena January 24, 2013. At the news conference on February 7, 2013, European Central Bank (ECB) President Mario Draghi can expect to be asked how much he knew about the derivatives scandal at Monte Paschi, and what he did about it when he headed Italy's central bank from 2006 to 2011. Picture taken January 24, 2013. REUTERS/Stefano Rellandini (ITALY - Tags: BUSINESS)