HeidelbergCement profitiert von Erholung in Nordamerika

Donnerstag, 7. Februar 2013, 17:44 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - HeidelbergCement hat dank der Erholung der Baukonjunktur in Nordamerika und hoher Nachfrage aus den Schwellenländern die Absatzkrise in Europa gut weggesteckt.

Der Baustoffkonzern steigerte im vergangenen Jahr sein operatives Ergebnis um fast zehn Prozent auf 1,61 Milliarden Euro. Dazu trugen auch Preiserhöhungen und Sparanstrengungen bei. "Die Margen im Kerngeschäft Zement und Zuschlagstoffe haben sich weiter verbessert" erklärte Konzernchef Bernd Scheifele am Donnerstag. Auch für 2013 gab er sich verhalten optimistisch.

An der Börse sorgte das für Auftrieb: Die Aktie kletterte um fünf Prozent auf den höchsten Stand seit Mai 2011 und führte die Gewinnerliste im Leitindex Dax an. "Der Ausblick ist ziemlich positiv, obgleich recht unpräzise", kommentierte die DZ Bank. "Wir sind optimistisch, dass das Unternehmen seine Gewinnmargen leicht verbessern kann", kommentierte BHF-Bank-Analyst Jens Jung.

Rückenwind bekam der mit Cemex, Lafarge und Holcim konkurrierende Konzern auch von einem vorteilhaften Euro-Wechselkurs. HeidelbergCement setzte im vergangenen Jahr 14 Milliarden Euro um - ein Plus von 8,7 Prozent. Dabei warfen die Geschäfte eine operative Rendite von 11,5 Prozent ab nach 11,4 Prozent im Jahr zuvor. Im Schlussquartal lag die Marge sogar bei 13 (Q4 2011: 12,5) Prozent.

Die gute Baukonjunktur in Nordamerika, vor allem die Nachfrage nach Baustoffen im Wohnungsbau, schob die Geschäfte im vergangenen Jahr an. Der Absatz von Zement legte dort zweistellig zu. In Asien profitierte HeidelbergCement vom anhaltenden Bauboom in vielen Schwellenländern. Besonders rund lief es für den Dax-Konzern in Indonesien, wo die Tochter Indocement ein Rekordergebnis erzielte. Auch in Ghana und Tansania entwickelten sich die Geschäfte positiv. Der Konzern hatte in den vergangenen Jahren kräftig in neue Zementwerke in den Schwellenländern investiert. Das zahlt sich nun aus. Inzwischen liegen mehr als 60 der weltweiten Zementkapazitäten des Unternehmens in diesen Ländern. In Europa waren hingegen Absatz und Ergebnis 2012 rückläufig - sinkende Infrastruktur-Investitionen und ein schwacher privater Wohnungsbau in manchen Ländern setzten HeidelbergCement zu.

OPTIMISMUS FÜR 2013

Konzern-Chef Scheifele rechnet damit, dass die Geschäfte in Europa auch 2013 mit Ausnahme von Deutschland und Skandinavien eher flau bleiben. Er baut erneut auf ein anhaltendes Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern und eine robuste Baukonjunktur in Nordamerika. Dämpfend auf den Absatz wirke sich allerdings der Zwang zum Schuldenabbau in den Industriestaaten aus. Scheifele will weiter die Preise anheben und die Marge bei Zement und Zuschlagstoffen verbessern. Zudem will der Konzern, der in seinen Werken und Steinbrüchen viel Energie verbraucht, weiter sparen. Damit sollen Margenverluste in Folge der zuletzt stark gestiegenen Energiekosten aufgefangen werden.

Das Sparziel in seinem Dreijahresprogramm bis Ende 2013 hob Scheifele nun auf gut eine Milliarde Euro von ursprünglich 600 Millionen Euro an. Im vergangenen Jahr brachte der Sparkurs 384 Millionen Euro ein. Der Schuldenabbau solle vorangetrieben werden. Das habe weiter höchste Priorität, erklärte Scheifele. Ende September 2012 lagen die Nettofinanzschulden noch bei rund 7,8 Milliarden Euro. Seinen vollständigen Bericht zum Jahr 2012 will der Konzern am 14. März vorlegen.

- von Frank Siebelt