Skandal-Bank Monte Paschi erwartet Staatshilfe in Kürze

Montag, 11. Februar 2013, 07:56 Uhr
 

Bergamo (Reuters) - Die skandalgeschüttelte italienische Traditionsbank Monte dei Paschi rechnet mit einer baldigen Auszahlung der beantragten milliardenschweren Staatshilfen.

Das Geldhaus werde die Kredite über 3,9 Milliarden Euro in sehr kurzer Zeit erhalten, sagte Verwaltungsratschef Alessandro Profumo am Samstag am Rande einer Konferenz in Bergamo. Ende Januar hatte die italienische Notenbank den Antrag von Italiens ältester Bank gebilligt. Grünes Licht muss nun noch die EU-Kommission geben. Sie könnte Änderungen am Geschäftsplan von Monte dei Paschi verlangen, sagte Bankchef Fabrizio Viola.

Das Institut ist durch verlustträchtige Derivate- und andere Handelsgeschäfte in Bedrängnis geraten. Die Bank gibt die Fehlbeträge aus drei problematischen Derivategeschäften mit 730 Millionen Euro an. Die Deals stehen im Zentrum von Ermittlungen gegen das frühere Management wegen mutmaßlichen Betrugs. Zwei dieser Geschäfte sind unter den Namen "Santorini" und "Alexandria" bekannt. Viola sagte nun, es gebe derzeit keine Verhandlungen, die beiden Derivatedeals zu restrukturieren.

Im Fokus steht ferner der neun Milliarden Euro schwere Kauf des Rivalen Banca Antonveneta im Jahr 2008, kurz vor Ausbruch der Finanzkrise. Der Preis gilt als deutlich zu hoch. Die Strafverfolger in Monte dei Paschis Heimatstadt Siena untersuchen, ob damals Schmiergelder geflossen sind. Aus einem Bericht der italienischen Finanzpolizei geht hervor, dass die Bank seinerzeit mit Hilfe geheimer Absprachen zur Finanzierung des Deals gegen Auflagen der heimischen Notenbank verstoßen hat. Demnach hätte Monte dei Paschi ohne diesen Winkelzug die Übernahme womöglich gar nicht stemmen können.

BRISANTES WAHLKAMPFTHEMA

Der Fall Monte dei Paschi ist in Italien kurz vor den Wahlen zum Politikum geworden. Ins Zentrum rückte insbesondere die italienische Notenbank, die für die Bankenaufsicht zuständig ist. Sie wurde bis Herbst 2011 von Mario Draghi geleitet, der dann an die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) wechselte. Draghi hatte jüngst Kritik an seiner Amtsführung als Chef der Banca d'Italia zurückgewiesen. Auch deren aktueller Gouverneur Ignazio Visco nahm die Notenbank in Schutz. Zugleich forderte er größere Befugnisse der Aufseher. Diese sollten die Möglichkeit haben, notfalls die Berufung von Bankmanagern zu verhindern und sie aus dem Amt zu entfernen, sagte Visco. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte der Notenbank eine gute Arbeit bei der Aufsicht über Monte dei Paschi bescheinigt.

Auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise erhielt Italiens drittgrößtes Geldhaus Ende 2011 wegen schwerwiegender Liquiditätsengpässe Spezialkredite der Notenbank. Deren Generaldirektor Fabrizio Saccomanni sagte ebenfalls am Rande der Konferenz in Bergamo, es habe sich um zwei Darlehen gehandelt, die in dieser Form an keine andere heimische Bank vergeben worden seien. Monte dei Paschi habe die Mittel als Sicherheit gebraucht, um sich Geld bei der EZB leihen zu können. Die Kredite seien rasch zurückgezahlt worden, ergänzte Saccomanni. Die EZB sei jederzeit über die Vorgänge informiert worden.

 
The entrance of Monte Dei Paschi bank headquarters is pictured in Siena January 24, 2013. At the news conference on February 7, 2013, European Central Bank (ECB) President Mario Draghi can expect to be asked how much he knew about the derivatives scandal at Monte Paschi, and what he did about it when he headed Italy's central bank from 2006 to 2011. Picture taken January 24, 2013. REUTERS/Stefano Rellandini (ITALY - Tags: BUSINESS)