EnBW sucht neue Gewinnchancen mit der Energiewende

Montag, 11. Februar 2013, 15:24 Uhr
 

Karlsruhe (Reuters) - Der drittgrößte deutsche Energieversorger EnBW will unter dem Druck der Energiewende seinen konventionellen Kraftwerkspark auf den Prüfstand stellen.

Die Wirtschaftlichkeit der Energieerzeugung aus Gas und Kohle habe sich in den vergangenen Monaten drastisch verschlechtert, sagte der seit Oktober amtierende neue Vorstandschef Frank Mastiaux am Montag in Karlsruhe. "Wir können gar nicht anders, als jeden einzelnen Standort zu hinterfragen." Mastiaux will das Unternehmen grundlegend neu ausrichten und kündigte dazu das Umbauprogramm "EnBW 2020" an. Konkrete Ziele und Schritte zu deren Umsetzung soll ein Strategieteam in den kommenden Monaten entwickeln.

Die Aufgabe sei so komplex, dass Schnellschüsse nicht angebracht seien, sagte Mastiaux, der vor seinem Wechsel nach Karlsruhe unter anderem den Geschäftszweig erneuerbare Energien beim EnBW-Konkurrenten E.ON aufgebaut hatte. Die Energie Baden-Württemberg AG wird vom Ausstieg aus der Kernenergie besonders stark getroffen und musste bereits zwei seiner vier Atomkraftwerke still legen. Durch das kräftige Wachstum der erneuerbaren Energien sinkt die Wirtschaftlichkeit von konventionellen Kraftwerken. So werden Mastiaux zufolge Gaskraftwerke derzeit weniger als hundert Stunden im Jahr ausgelastet. "Das ist ein sehr kritisches Thema", sagte Mastiaux.

ENBW SETZT AUF ERNEUERBARE ENERGIEN

Beim Umsteuern auf erneuerbare Energien kommt EnBW nur langsam voran. Aus Wind und Sonne gewinnen die Karlsruher erst zwei Prozent ihrer gesamten Erzeugungskapazität von 13.400 Megawatt im Jahr. In der Planung sind weitere knapp 1300 Megawatt. "Hier haben wir schon viel getan, aber wir sind noch nicht bei einer kritischen Masse", sagte Mastiaux. Das Windparkprojekt "Hohe See" in der Nordsee zum Beispiel liegt weiter auf Eis, weil die Investitionsrisiken nach Worten Mastiauxs nach wie vor zu groß seien. Ende vergangenen Jahres war zwar durch eine gesetzliche Haftungsregel der stockende Bau von Netzanschlüssen erleichtert worden. Doch Mastiaux hält hier weitere Verbesserungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen für notwendig.

Auch zu den schon länger geplanten Beteiligungsverkäufen ließ sich der EnBW-Chef nur wenig entlocken. Von den seit 2012 angepeilten Einnahmen aus Verkäufen von 1,5 Milliarden Euro seien inzwischen 500 Millionen Euro realisiert. Die noch ausstehende Milliarde will EnBW bis 2014 vereinnahmen. Nach Informationen aus Branchenkreisen wird ein Verkauf des Anteils am Mannheimer Kommunalversorger MVV sowie eine Trennung von Teilen des Gasnetzes geprüft.

Im Mittelpunkt des Umbaus steht Mastiaux zufolge ein Kulturwandel im Unternehmen, das sich stärker denn je an den Bedürfnissen der Kunden ausrichten müsse. Inzwischen wechselten jedes Jahr durchschnittlich 25 Prozent der Kunden den Anbieter. Deshalb müsse EnBW mehr Dialogbereitschaft gegenüber den Verbrauchern an den Tag legen und sich eine besseren öffentlichen Auftritt verschaffen. In den kommenden beiden Jahren sollen neue Dienstleistungen entwickelt werden wie zum Beispiel Angebote an die Kunden zum Energiesparen. Welche genauen Zielgrößen sich die EnBW vornehmen wird, ließ Mastiaux offen. Möglicherweise werde neben der Profitabilität auch der Marktanteil ins Visier genommen. Hier hatte das Unternehmen in den vergangenen Jahren Federn gelassen. Von rund 13 Prozent im Jahr 2003 sank der Marktanteil im konventionellen Kraftwerksgeschäft auf zuletzt knapp neun Prozent.