Daimler hofft weiter auf EU-Moratorium im Kältemittel-Streit

Dienstag, 12. Februar 2013, 16:25 Uhr
 

Stuttgart (Reuters) - Der Autobauer Daimler hofft im Streit mit der EU-Kommission über ein neues Kältemittel für Auto-Klimaanlagen weiter auf ein Moratorium der Brüsseler Behörde.

"Wir sind in Gesprächen mit der Kommission und haben noch keine Reaktion erhalten", sagte ein Daimler-Sprecher am Dienstag in Stuttgart. Daimler hat bei der EU-Kommission eine sechsmonatige Aufschubphase für den verbindlichen Einsatz eines neuen Kältemittels in Neuwagen beantragt, das zwar klimafreundlicher als die bisherige Chemikalie ist, aber nach Ansicht der Stuttgarter brennbar und ätzend ist. Während des sechsmonatigen Moratoriums will Daimler technische Alternativen wie etwa den Einsatz anderer Kältemittel prüfen. Aus einem Reuters vorliegenden Schreiben der Brüsseler Behörde geht hingegen hervor, dass die Kommission "keinen Grund" sieht, Autobauern wie Daimler mehr Zeit zur Einhaltung der EU-Vorgaben zu gewähren und auf ihrem Zeitplan beharrt.

Seit dem 1. Januar sieht ein EU-Gesetz vor, das von den US-Chemieherstellern DuPont und Honeywell entwickelte Kältemittel HFO 1234yf in Neuwagen einzusetzen, da dieses weniger zur Erderwärmung beiträgt und damit umweltfreundlicher als das bisher genutzte Mittel R123a ist. Auf diese Marschroute hatten sich die Autobauer weltweit verständigt, aus dieser Phalanx scherte Daimler jedoch Ende vergangenen Jahres überraschend aus: Denn entgegen den Erwartungen entzündete sich das neue Kältemittel bei Crashtests und führte zu Verätzungen, was Daimler als zu großes Risiko einstuft.

Der Stuttgarter Konzern steckt seitdem in einer Zwickmühle: Die Schwaben sind bisher der einzige deutsche Autobauer, der Neuwagen mit dem neuen Klimamittel zertifiziert hat. Da Daimler inzwischen wieder das alte Kältemittel in Auto-Klimaanlagen einsetzt, könnte das Kraftfahrtbundesamt (KBA) die Betriebserlaubnis für diese Fahrzeuge entziehen. "Wir sind mit dem KBA in Gesprächen", sagte der Daimler-Sprecher. Auch das Bundesverkehrsministerium habe sich bei der EU für eine Aufschubphase eingesetzt, um die Sicherheitsbedenken gegen das neue Kältemittel zu untersuchen.