TUI-König Frenzel dankt ab - Neuer Chef baut weiter um

Mittwoch, 13. Februar 2013, 13:29 Uhr
 

Hannover (Reuters) - Generationenwechsel an der TUI-Spitze: Nach knapp zwei Jahrzehnten tritt Konzernchef Michael Frenzel ab.

Sein Nachfolger, der frühere Mobilfunk-Manager Friedrich Joussen, krempelt gleich die Ärmel hoch und forciert den Umbau - daraus macht er bei seinem ersten Auftritt vor den TUI-Aktionären kein Geheimnis. "In den nächsten Wochen werden wir uns sehr genau die einzelnen Unternehmensbereiche vornehmen und - etwas salopp formuliert - vor der eigenen Haustür kehren", sagte Joussen auf der Hauptversammlung in Hannover am Mittwoch. Es gelte, die Stärken des Unternehmens auszubauen und bei Schwächen entschlossen zu handeln. "Meine Geduld hört dort auf, wo die Performance der einzelnen Unternehmensteile nicht stimmt." Er werde noch einige Monate benötigen, um einen Überblick zu haben. Für die 74.000 Mitarbeiter weltweit beginnt damit eine Zeit der Ungewissheit.

Der frühere Vodafone-Deutschland-Chef legte bereits vor seinem offiziellen Amtsantritt los und besuchte Unternehmensteile, urlaubte probeweise in einem Club auf Mallorca und arbeite in Reisebüros mit. Davon brachte er auch positive Nachrichten mit: "Der Konzern hat eine hervorragende Ausgangsbasis." TUI sei Branchenführer in Europa und der Reisemarkt wachse jährlich um drei Prozent.

"REGENTSCHAFT DES NIEDERGANGS"

Der TUI-Konzern in seiner derzeitigen Form ist das Werk von Frenzel. Der Ex-Banker hatte seinen Posten 1994 angetreten und den von Bergbau und Stahl dominierten Mischkonzern Preussag zum Touristik-Riesen TUI umgebaut. Er ist einer der dienstältesten Vorstandschefs eines börsennotierten Großunternehmens in Deutschland. Gleichzeitig ist er ein viel kritisierter Top-Manager. "Die Ära Frenzel ist eine Regentschaft des Niedergangs", sagt Ingo Speich, Portfolio-Manager bei Union Investment, vor den Aktionären. Seit Frenzels Amtsantritt habe sich der Dax verdreifacht, die TUI-Aktie habe sich dagegen inklusive aller Dividendenzahlungen nicht bewegt.

Andere Kritiker werfen Frenzel vor, dass es in seiner Amtszeit zu viele Strategiewechsel gab - mindestens 100 Unternehmen wurden unter seiner Ägide ge- und verkauft. Ein Beispiel: Frenzel hatte das Schifffahrtsgeschäft von Hapag-Lloyd zum zweiten Standbein von TUI ausgebaut, um das Auf und Ab der Reisekonjunktur abzufedern. Die Rechnung ging nicht auf und TUI baute seinen Anteil über die Jahre wieder ab. TUI hält 22 Prozent an Hapag-Lloyd und will ganz aussteigen. Zukunftsprojekte wie den Ausbau der Internet-Sparte hat das Unternehmen nach Ansicht von Beobachtern in dieser Zeit verpasst.

Daneben plagt den Konzern eine teure Doppelstruktur: Das eigentliche Reise-Kerngeschäft wird nicht von TUI aus Hannover gelenkt, sondern ist bei der Tochter TUI Travel in Großbritannien gebündelt. "Sicherlich nicht optimal", sagte Frenzel. Um dem künftigen Konzernumbau nicht im Weg zu stehen, gibt er am 25. März vorzeitig sein Mandat als Chairman von TUI Travel ab. TUI hält an der britischen Tochter 56 Prozent.

Im Januar war ein Anlauf für ein Zusammengehen bereits gescheitert. Die Übernahmegespräche zwischen beiden Unternehmen waren nach nur einer Woche auf Eis gelegt worden. Der angedachte Aktientausch wäre beim geplanten Austauschverhältnis nicht im Interesse der TUI-Eigner gewesen, hieß es seinerzeit.

ROTE ZAHLEN

Der Auftakt in das neue Geschäftsjahr verlief nicht nach Maß. Wegen schlechterer Ergebnisse der Tourismustochter TUI Travel und roter Zahlen bei der Reederei Hapag-Lloyd stand im vergangenen Quartal unter dem Strich für die TUI-Aktionäre ein Verlust von 137 Millionen Euro nach 88 Millionen Euro Verlust im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um gut ein Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Der Konzern hält an seinen Erwartungen für das bis Ende September laufende Geschäftsjahr fest: Bei leicht steigenden Umsätzen soll unter dem Strich ein positives Konzernergebnis stehen. Das operative Ergebnis soll das Niveau des Vorjahres erreichen.

 
Michael Frenzel (R), outgoing CEO of German travel company TUI AG, shakes hands with his successor Friedrich Joussen for the media before the annual general shareholder meeting in Hanover, February 13, 2013. Joussen, who will take the top job at TUI following the AGM, said on Wednesday he wanted to make the company more capital and cost efficient. REUTERS/Fabian Bimmer (GERMANY - Tags: BUSINESS) - RTR3DQ4U