Vodafone prüft angeblich Kauf von Kabel Deutschland

Mittwoch, 13. Februar 2013, 14:34 Uhr
 

Hannover (Reuters) - Der britische Mobilfunkkonzern Vodafone erwägt laut einem Magazinbericht die milliardenschwere Übernahme von Deutschlands größtem Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland.

Der neue Vodafone-Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum habe mit Konzern-Strategiechef Warren Finegold bereits einen Geschäftsplan für die Akquisition durchgerechnet, berichtete das "Manager Magazin" am Mittwoch vorab ohne Angabe von Quellen. Der Plan liege zur Abstimmung bei Konzernchef Vittorio Colao, der der Übernahme "zugeneigt sei", heißt es in dem Bericht. Vodafone-Sprecher in Großbritannien und Düsseldorf sowie Kabel Deutschland wollten dazu nichts sagen.

Der Bericht trieb die Aktie von Kabel Deutschland um bis zu 14 Prozent auf ein Rekordhoch von 72,75 Euro. Der Börsenwert des Unternehmens stieg dadurch um rund 800 Millionen auf gut 6,4 Milliarden Euro. "Die Übernahme würde für Vodafone Sinn machen - weg vom margenschwachen Mobilfunkgeschäft und hin zu stabilen Erträgen aus dem Kabelgeschäft", sagte ein Händler. "Da könnte durchaus was dran sein."

Es wäre nicht der erste Mal, dass Vodafone ein Auge auf den deutschen Kabel-Marktführer wirft. Schon kurz vor dem Börsengang von Kabel Deutschland vor knapp drei Jahren spielte der damalige Vodafone-Deutschland-Chef Friedrich Joussen ein Übernahmeangebot durch - allerdings wurde er von der Londoner Zentrale zurückgepfiffen. Damals hätten die Briten für Kabel Deutschland ungleich weniger zahlen müssen. Im Vergleich zum Ausgabepreis hat Kabel Deutschland seinen Wert mehr als verdreifacht. Damals waren die Aktien zu 22,50 Euro ausgegeben worden. Insgesamt hat der ehemalige Eigentümer, der Finanzinvestor Providence, 2,75 Milliarden Euro mit dem Verkauf von Kabel-Deutschland-Aktien eingenommen.

Ein Banker, der Vodafone in der Vergangenheit beraten hatte, sagte, dass eine Übernahme strategisch durchaus sinnvoll wäre. Zwar verfolge die Vodafone-Spitze eigentlich andere Prioritäten, etwa in Spanien. Doch wenn die Briten dort nicht zum Zuge kämen, könnten sie den Blick auch nach Deutschland richten. Der größte Rivale auf dem deutschen Markt, der Unitymedia-Kabel-BW-Eigner Liberty Global, ist mit der in der vergangenen Woche verkündeten 16 Milliarden Dollar schweren Übernahme des britischen Kabelbetreibers Virgin Media erst einmal ausgelastet. Kabel Deutschland wäre zudem einem Übernahmeversuch weitgehend schutzlos ausgeliefert - alle Aktien sind im Streubesitz.

Kabel Deutschland versorgt Haushalte in 13 Bundesländern mit Fernsehen, Telefon und Internet. Unitymedia Kabel BW ist in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg aktiv. Die beiden großen Kabelkonzerne verfügen in ihren Bundesländern über Gebietsmonopole - Konkurrenz machen sie sich nicht. Liberty Global gehört zum Imperium des US-Kabel-Milliardärs John Malone.