Nestle hinkt Unilever beim Wachstum hinterher

Donnerstag, 14. Februar 2013, 14:48 Uhr
 

Vevey (Reuters) - Der weltgrößte Lebensmittelkonzern Nestle kann mit dem forschen Wachstumstempo des Erzrivalen Unilever nicht Schritt halten.

Zwar verkaufte der Schweizer Konzern trotz der Wirtschaftsflaute auch 2012 deutlich mehr Nescafe, Kitkat-Schokoriegel oder Maggi-Tütensuppen und steigerte Umsatz und Gewinn deutlich. Noch erfolgreicher war aber die britisch-niederländische Unilever, die mit der Verlagerung des Geschäfts in die wachstumsstarken Schwellenländer schon weiter ist als Nestle.

Auch das Wachstum des Konzerns aus Vevey am Genfersee war im vergangenen Jahr vor allem von den Schwellenländern getrieben. In Europa legte der Umsatz um 2,4 Prozent zu, wenn man Wechselkurseinflüsse und Firmenzukäufe ausklammert. Selbst in Krisenländern wie Spanien oder Griechenland kauften die Verbraucher mehr Speiseeis oder andere Nestleprodukte. Doch in den Schwellenländern war das Wachstum mehr als vier Mal stärker. In diesen Ländern erwirtschaftet Nestle inzwischen 43 Prozent des Gesamtumsatzes oder 39,3 Milliarden Franken. "Das macht uns zum größten Anbieter in den Schwellenländern in der Branche", sagte Finanzchefin Wan Ling Martello auf einer Investorenkonferenz. Besonders groß war die Nachfrage in Afrika, China, dem Nahen Osten und Indonesien, wo die Konsumenten bei Schokolade oder Getränken zugriffen. Konzernweit wuchs Nestle organisch um 5,9 Prozent und kam auf einen Umsatz von 92,2 Milliarden Franken (rund 75 Milliarden Euro). Bei Unilever belief sich das organische Wachstum auf 6,9 Prozent. Der britisch-niederländische Konzern erwirtschaftet 55 Prozent der Einnahmen in Schwellenländern. Mehr Mühe haben Wettbewerber wie die französische Danone oder die amerikanische Procter&Gamble, die stärker auf Industrieländer ausgerichtet sind.

KEIN SPAZIERGANG

Bei Nestle läuft auch das Geschäft in den Schwellenländern nicht ganz rund, das Umsatzwachstum schwächte sich 2012 ab. Im dritten Quartal machte Nestle dafür Sonderfaktoren wie einen Sturm in den Philippinen oder Unruhen in Ägypten verantwortlich. Doch obwohl solche Effekte im Schlussquartal weitgehend ausblieben und das Umsatzwachstum etwas anzog, enttäuschte Nestle die Analysten mit dem Wachstum in der Region Asien, Ozeanien und Afrika.

Die Anleger reagierten mit Verkäufen. Die üblicherweise wenig schwankungsanfälligen Nestle-Aktien sackten 2,7 Prozent auf 62,80 Franken ab, während der europäische Branchenindex stabil notierte. "Wir bevorzugen weiterhin Unilever", erklärten die Analysten der UBS. "Unilever hatte in der zweiten Hälfte 2012 ein wesentlich besseres Umsatzwachstum, und wir erwarten, dass die bessere Entwicklung in der ersten Hälfte 2013 anhält." Händler wiesen aber auch darauf hin, dass der Nestle-Kurs am Vortag ein Allzeit-Hoch erreicht hatte. Die leichte Enttäuschung mit dem Jahresabschluss hätten die Investoren deshalb dazu genutzt, Gewinne einzustreichen.

Finanzchefin Martello erklärte, Nestle habe in den Schwellenländern in der zweiten Hälfte mehr Mühe gehabt, Preiserhöhungen durchzusetzen. Dies hat unter anderem mit den in vielen Ländern sehr niedrigen Teuerungsraten zu tun. Die rückläufigen Preise für Rohstoffe, die Nestle verarbeitet, verhalfen dem Konzern aber auch zu einem höheren Gewinn. Unter dem Strich verdiente Nestle 10,6 Milliarden Franken und damit 11,8 Prozent mehr als Vorjahr. Die Dividende will der Konzern auf 2,05 Franken von 1,96 Franken je Aktie anheben. Auch wenn die Aktionäre damit zum 17. Mal in den Genuss einer höheren Ausschüttung kommen, hatten sich die Anleger noch etwas mehr erhofft.

"Das Jahr war kein Spaziergang", sagte Finanzchefin Martello. Auch für 2013 rechnet Nestle mit einem schwierigen Umfeld. Trotzdem peilt das Unternehmen im laufenden Jahr erneut ein organisches Umsatzwachstum von fünf bis sechs Prozent an. Gleichzeitig sollen die operative Ergebnismarge und der Gewinn pro Aktie zu konstanten Wechselkursen anziehen.