BNP Paribas will in Asien wachsen und in Europa sparen

Donnerstag, 14. Februar 2013, 17:01 Uhr
 

Paris (Reuters) - Die schwache Konjunktur in Europa treibt Frankreichs größte Bank BNP Paribas in Richtung Asien.

Vorstandschef Jean-Laurent Bonnafe will dort vor allem das Investmentbanking rund um den boomenden Anleihehandel ausbauen und bis 2015 rund 1300 neue Mitarbeiter einstellen, wie er am Donnerstag ankündigte. Auch im US-Kapitalmarktgeschäft stehen die Zeichen auf Expansion. "Für Europa gehen wir von einem Szenario geringen Wirtschaftswachstums aus", sagte Bonnafe zu Reuters Insider TV mit Blick auf das laufende Jahr. Das Geldhaus zieht daraus Konsequenzen und will hier wie der kleinere heimische Rivale Societe Generale und große internationale Konkurrenten wie Barclays und Deutsche Bank noch mehr sparen. Ein Gewinneinbruch im vierten Quartal hat den Druck noch einmal erhöht.

Binnen drei Jahren sollen die jährlichen Kosten von BNP um zwei Milliarden Euro runter. Die Hälfte davon entfällt auf das Privatkundengeschäft, das gerade im Heimatmarkt schon länger lahmt, weil die Kunden wegen der Schuldenkrise verunsichert sind und der Sparkurs der Regierung vielen auf die Stimmung schlägt. Die Investmentbank, die im vergangenen Jahr schon gestutzt wurde, soll ein Drittel zu den Kürzungen beitragen. Darüber hinaus will BNP konzernweit Strukturen vereinfachen und die IT modernisieren - das kostet aber erst einmal 1,5 Milliarden Euro. Die Aufgabe kompletter Geschäftsbereiche ist nach den Worten von Bonnafe nicht geplant. Einen Stellenabbau in Europa wollte der seit gut einem Jahr amtierende Vorstandschef aber nicht ausschließen.

Anleger honorierten, dass BNP - anders als Rivale SocGen am Vortag - die Einsparziele konkret bezifferte. Außerdem sollen die Investoren für 2012 pro Anteilsschein eine Dividende von 1,50 Euro (2011: 1,20 Euro) bekommen. Die Aktie legte im frühen Handel in Paris mehr als drei Prozent zu.

Dabei blieb das Ergebnis im Schlussquartal deutlich hinter den Markterwartungen zurück: Der Nettogewinn schrumpfte um etwa ein Drittel auf 514 Millionen Euro und fiel damit nur halb so hoch aus wie von Experten vorhergesagt. Nicht nur das schwache Privatkundengeschäft zu Hause macht BNP zu schaffen. In Italien, einem der schwergewichtigen Euro-Schuldenländer, fallen immer mehr Kredite aus.