Insider - Bieter für RWE-Gasnetztochter preschen vor

Donnerstag, 14. Februar 2013, 17:04 Uhr
 

Frankfurt/Prag/Düsseldorf (Reuters) - RWE-Chef Peter Terium könnte schon bald bei seinen Beteiligungsverkäufen einen großen Schritt vorankommen.

Insidern zufolge wollen die australische Investmentbank Macquarie und der tschechische Versorger EPH Anfang kommender Woche ein gemeinsames Angebot für die tschechische RWE-Gasnetztochter Net4Gas vorlegen. Der Preis liege voraussichtlich in einer Größenordnung von 1,5 bis zwei Milliarden Euro, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Unternehmen hätten gute Chancen, den Zuschlag zu bekommen. Ein Sprecher der tschechischen Finanzgruppe KKCG sagte am Donnerstag, auch sein Konzern werde eine Offerte einreichen.

Im Rennen sei auch noch der Versicherer Allianz, sagten mehrere Personen. "Der Prozess ist in der Schlussphase", sagte ein weiterer Insider. Die Transaktion könne bis Mitte des Jahres abgeschlossen werden. RWE, Allianz und Macquarie wollten sich dazu nicht äußern. Von EPH war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

RWE UNTER DRUCK - KONZERN VERSILBERT BETEILIGUNGEN

Macquarie und EPH sind bei deutschen Versorgern alte Bekannte. EPH hatte kürzlich von E.ON Anteile an dem slowakischen Versorger SPP übernommen. Macquarie hatte von E.ON im vergangenen Jahr die Ferngasnetztochter Open Grid Europe (OGE) erworben. Bereits zuvor hatten die Australier von RWE die Netztochter Thyssengas gekauft.

Net4Gas betreibt Pipelines mit einer Länge von mehr 3600 Kilometern und beschäftigt über 500 Mitarbeiter. 2011 hatte das Unternehmen einen Gewinn von rund 200 Millionen Euro erzielt. RWE hatte die Tochter ursprünglich bereits im vergangenen Jahr verkaufen wollen.

Konzernchef Peter Terium will bis Ende dieses Jahres bis zu sieben Milliarden Euro durch Beteiligungsverkäufe kassieren. Er hat aber eingeräumt, dass der Prozess auch länger dauern könne. Mehr als 1,8 Milliarden Euro hat RWE bereits eingesammelt. Der Konzern hat unter anderem seine Beteiligungen an den Berliner Wasserbetrieben und der mit E.ON geführten britischen Atomfirma Horizon Nuclear Power versilbert. RWE machen die Einbußen durch die Energiewende und das schwächelnde Kraftwerksgeschäft zu schaffen. Den Versorger drücken Schulden von über 34 Milliarden Euro.