Luftfahrt-Konzerne keilen vor Gericht gegen Gewerkschaft

Freitag, 15. Februar 2013, 15:32 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Frankfurter Flughafen, die Lufthansa und Air Berlin nutzen einen Schadenersatzprozess gegen die Fluglotsen-Organisation GdF für eine Generalabrechnung mit den streikfreudigen Kleingewerkschaften in der Branche.

Es könne nicht sein, dass Spartengewerkschaften mit ihren Streiks immer wieder die Fluggesellschaften schädigten, ohne dass jemand sie dafür zur Rechenschaft ziehen könne, sagte Anwalt Thomas Ubber, der die Konzerne vertritt, zum Auftakt der Verhandlung am Freitag. Angesichts der zahlreichen Arbeitnehmerorganisationen in der Luftfahrt - etwa für Fluglotsen, Flugbegleiter, Piloten und andere - müssten Luftfahrtunternehmen in Deutschland ständig neue Streiks fürchten, gegen die sie sich nicht wehren könnten.

Der Frankfurter Airport und die beiden größten deutschen Fluggesellschaften fordern von der GdF 9,5 Millionen Euro. Das Verfahren ist komplex, weshalb Richter Matthias Kreutzberg-Kowalczyk erst am 25. März ein Urteil verkünden will.

Grund der Klage ist ein Streik von 200 Flugvorfeld-Beschäftigten - das sind etwa die Fahrer der "Follow Me"-Wagen - am größten Luftdrehkreuz des Landes vor einem Jahr. Die GdF hatte zu dem Streik aufgerufen. Anwalt Ubber kritisierte, dass der wichtige Flughafen über zwei Wochen aus dem Takt gebracht wurde und 1800 Flüge ausgefallen seien, damit eine sehr kleine Berufgruppe besser verdiene. "Der Streik ist aus dem Ruder gelaufen." Problematisch sei auch, dass der Streik gegen den Arbeitgeber, also den Flughafenbetreiber Fraport, gerichtet gewesen sei, aber vor allem die Fluglinien darunter gelitten hätten. "Die Schädigung der Airlines war ein zwingender Schritt, um Druck auf Fraport auszuüben", erläuterte er. GdF-Anwalt David Schäfer entgegnete, dass Umsatzeinbußen bei Dritten als Folge eines Arbeitsausstands unvermeidlich seien.

In kaum einer Branche wird so häufig die Arbeit niedergelegt. Derzeit streiken an einigen Flughäfen die Sicherheitsleute, und vergangenes Jahr legten die Stewardessen und Stewards die Lufthansa lahm, um ihre Forderungen durchzusetzen. Die Spezialgewerkschaften sind so schlagkräftig, da sie überwiegend nur einen Berufsstand vertreten und straff organisiert sind. Ihre Mitglieder sitzen an wichtigen Schaltstellen und können mit einem Ausstand eine ganze Fluggesellschaft oder einen Airport weitgehend lahmlegen.

Es ist bereits der dritte Schadenersatzprozess gegen die GdF binnen zwölf Monaten. Im August 2012 hatte das Frankfurter Gericht eine Klage von Lufthansa, Air Berlin und Ryanair auf 3,3 Millionen Euro Schadenersatz wegen Streikaufrufen im Sommer 2011 abgeschmettert. Die Airline-Anwälte hatten allerdings Berufung angekündigt und wollen den Streit bis vor das Bundesarbeitsgericht bringen, um eine Grundsatzentscheidung zu erreichen. Mit ihrer ersten Schadenersatzklage über 32.000 Euro gegen die GdF waren die Lufthansa und andere Fluglinien im März 2012 vor Gericht ebenfalls abgeblitzt. Dabei ging es um einen Tarifkonflikt aus dem Jahr 2009, in dem die Fluglotsen in Stuttgart aus Solidarität mit Beschäftigten der Vorfeldkontrolle die Arbeit niedergelegt hatten.