E.ON stößt letztes AKW-Projekt im Ausland ab

Freitag, 15. Februar 2013, 17:29 Uhr
 

Helsinki/Düsseldorf (Reuters) - Der Energiekonzern E.ON stößt sein letztes Atomkraft-Projekt im Ausland ab.

Der Versorger habe seine Beteiligung an der finnischen AKW-Firma Fennovoima an das Konsortium Voimaosakeyhtiö veräußert, teilten die beteiligten Unternehmen am Freitag. Einen Preis für das Paket von 34 Prozent nannten sie nicht. Der hoch verschuldete E.ON-Konzern dürfte aber froh sein, für das Milliardenprojekt keine Mittel aufbringen zu müssen. Eine Investitionsentscheidung für den Bau der Anlage gab es bislang auch noch nicht. Die Kosten für den Bau des Reaktors im Westen Finnlands waren auf vier bis sechs Milliarden Euro beziffert worden. Das Käuferkonsortium, an dem der Stahlriese Outokumpu beteiligt ist, hält bereits die übrigen Anteile.

E.ON hatte im Herbst angekündigt, sein Paket abzustoßen. Nach Angaben von E.ON Sverige zieht sich der Konzern umgehend aus dem Projekt zurück. Der Versorger wolle vor allem in seine Geschäfte in Schweden und Dänemark und dabei insbesondere in Ökostrom investieren. E.ON drücken Schulden in Höhe von über 35 Milliarden Euro. E.ON-Chef Johannes Teyssen will bis 2015 die Investitionen auf bis zu vier Milliarden Euro von zuletzt rund sieben Milliarden Euro drücken.

Nach dem Atomausstieg in Deutschland hatte sich E.ON bereits aus den kostspieligen Plänen zum Bau neuer Atomkraftwerke in Großbritannien zurückgezogen. E.ON wollte hier mit dem Essener Versorger RWE ursprünglich für rund 15 Milliarden Pfund (rund 18 Milliarden Euro) mehrere Meiler hochziehen.

NEUE ATOMKRAFTWERKE MACHEN SICH ERST NACH JAHREN BEZAHLT

Doch diese Pläne stammten ebenso wie die in Finnland aus der Zeit vor dem Reaktorunglück im japanischen Fukushima 2011. Fünf Jahre war E.ON Partner in dem finnischen Projekt. Die Kosten für den Bau neuer Meiler in Europa sind in den vergangenen Jahren explodiert. Während die betagten Atomkraftwerke in Deutschland abgeschrieben sind und damit Gelddruckmaschinen gleichen, machen sich neue Meiler erst Jahre später bezahlt. Zudem gibt es beim Bau neuer Atomkraftwerke große Verzögerungen. So sollte etwa das finnische Kernkraftwerk Olkiluoto 3, an dem auch der Siemens-Konzern beteiligt ist, ursprünglich drei Milliarden Euro kosten und 2009 ans Netz gehen. Inzwischen ist die Inbetriebnahme bis 2016 verschoben worden. Die Kosten werden mittlerweile auf mindestens sechs Milliarden Euro beziffert.