RWE-Chef will Schulden abbauen - Europa als Kernmarkt

Sonntag, 17. Februar 2013, 12:09 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Verschuldung des Energiekonzerns RWE ist nach Ansicht von Vorstandschef Peter Terium deutlich zu hoch.

Um Kosten zu sparen, schloss der Manager nicht aus, dass das Unternehmen neue Mitarbeiter künftig schlechter bezahlt. Bei den Verhandlungen mit den Gewerkschaften dürfe es keine Denkverbote geben, wenn es um die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens gehe, sagte Terium der "Wirtschaftswoche" auf die Frage, ob die Deutsche Post ein Vorbild für RWE sei, die vor dem Börsengang niedrigere Gehälter für neue Mitarbeiter eingeführt hatte.

Ein Unternehmen wie RWE könne sich als Schulden höchstens den dreifachen Betrag seines Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen leisten. "Wir kommen bei diesem Ergebniswert auf 8,5 bis 9 Milliarden Euro, das reicht also nur für eine Verschuldung von 24 bis 27 Milliarden Euro", sagte Terium. RWE hat derzeit über 34 Milliarden Euro Schulden.

Zudem sprach sich der Niederländer klar gegen eine Expansion ins außereuropäische Ausland aus. "Unser Kernmarkt ist Deutschland und Europa", betonte Terium. "Wir glauben nicht, im außer-europäischen Ausland unsere Probleme hier vor Ort lösen zu können." Die Rahmenbedingungen für Investitionen in Deutschland seien "trotz aller Kritik" immer noch besser als in China, Indien oder Brasilien. "Dort wartet keiner auf RWE, um Kraftwerke zu betreiben, das können die alle selbst."

RWE machen die Einbußen durch die Energiewende und das schwächelnde Gasgeschäft zu schaffen. Daher haben die Essener und auch ihr Rivale E.ON Sparprogramme aufgelegt und wollen Tausende Arbeitsplätze streichen. E.ON baut 11.000 Jobs ab, bei RWE sollen 10.400 Stellen wegfallen.

 
CEO of RWE Peter Terium gestures as he speaks during an interview with Reuters in Frankfurt October 24, 2012. REUTERS/Lisi Niesner