Hängepartie bei Solarworld hält an - Bankgespräche laufen noch

Montag, 18. Februar 2013, 12:10 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Die Anleger von Solarworld müssen sich gedulden: Die Zukunft des einstigen Börsenstars hängt weiter in der Schwebe.

"Die Bankengespräche laufen", sagte Konzernchef Frank Asbeck am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Eine Einigung gebe es noch nicht. Der Termin für die Bilanzpressekonferenz am 21. März stehe, ob er möglicherweise verschoben wird, sei derzeit nicht absehbar. Asbeck hatte vor knapp vier Wochen angekündigt, es müssten "gravierende Einschnitte" bei den Verbindlichkeiten vorgenommen werden, um das Überleben der Solarfirma zu sichern. Asbeck und sein Management ringen daher derzeit mit Banken und Anleihegläubigern um eine Einigung.

Der Konzern ist insgesamt mit rund einer Milliarde Euro verschuldet; zwei Anleihen über zusammen 550 Millionen Euro werden 2016 beziehungsweise 2017 fällig. Die Liquidität hatte Asbeck im vergangenen Monat mit 220 bis 230 Millionen Euro beziffert. Equinet-Analyst Stefan Freudenreich erwartet, dass Solarworld seine Verschuldung um ein Drittel zurückfahren muss. "Die Zinslast ist derzeit zu hoch." Für Gläubiger bedeute das zwar einen herben Verlust. Doch sollte die Firma an die Wand fahren, bliebe ihn möglicherweise noch weniger. Neben dem Schuldenabbau hält der Experte aber auch einen Konzernumbau für nötig. Solarworld sei mit seinen Werken in Deutschland nicht konkurrenzfähig, sagte Freudenreich. Der norwegische Konkurrent REC habe dagegen konsequent den Schritt nach Asien gewagt und damit die Weichen für eine bessere Zukunft gestellt.

Trotz der Energiewende in Deutschland und dem seit Jahren währenden Nachfrageboom auf dem heimischen, weltweit größten Solarmarkt ächzen die Firmen unter dem Preisverfall infolge enormer Überkapazitäten. Nach einer Pleitewelle im vergangenen Jahr, die Konzerne wie Solon, Q-Cells oder Centrotherm mit sich riss, hatte zuletzt Siemens mit seinem Ausstieg aus dem Solargeschäft für trübe Stimmung gesorgt. Auch beim finanzstarken Autozulieferer Bosch steht die mit Milliarden zusammengekaufte Solarsparte auf dem Prüfstand.