Deutsche Bank nimmt sich Boni entlassener Zinshändler vor

Montag, 18. Februar 2013, 17:01 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Im Skandal um Zinsmanipulationen will die Deutsche Bank möglicherweise Millionenboni von entlassenen Händlern zurückfordern.

"Im Zuge unserer internen Untersuchung prüfen wir alle Optionen, um Maßnahmen gegen Personen zu ergreifen, wenn deren Fehlverhalten erwiesen ist", sagte ein Sprecher des größten deutschen Geldhauses am Montag. "Dazu können auch rechtliche Schritte gehören." Finanzkreisen zufolge geht es dabei unter anderem um Schadenersatzklagen oder mögliche Bonus-Rückforderungen. Dazu müssten die betroffenen Händler aber nachweislich gegen Gesetze verstoßen haben, betonen Insider. Nach einem Bericht des "Handelsblatt" wartet die Bank nun zunächst den Prüfbericht der Finanzaufsicht BaFin und die Ergebnisse internationaler Ermittler ab.

Insgesamt hat die Deutsche Bank sieben Händler wegen mutmaßlicher Beteiligung an den Zinsmanipulationen entlassen oder suspendiert. Im Fokus steht dabei Christian Bittar, dem das Institut für 2008 einen Rekordbonus von 80 Millionen Euro genehmigt haben soll. Er war damit vermutlich der bestbezahlte Banker des Geldhauses. Die Hälfte davon war bei seiner Entlassung 2011 noch nicht ausbezahlt, das Geld hielt die Bank ein.

Die BaFin prüft seit fast einem Jahr bei der Bank, ob die internen Kontrollstrukturen ausreichend waren. Der Bericht wird in den nächsten Wochen erwartet. Er ist dann auch die Basis für mögliche Vergleichsverhandlungen mit den internationalen Ermittlern. Der Zinshandel ist Teil des Investmentbankings, also des Bereichs, den der heutige Co-Chef Anshu Jain jahrelang verantwortet hat. Die interne Untersuchung des Instituts hat ergeben, dass kein Vorstandsmitglied Kenntnis von den Manipulationen hatte.

Insgesamt wird in dem Skandal gegen mehr als ein Dutzend Banken weltweit ermittelt. Es geht um Referenz-Zinssätze wie Libor und Euribor, die Basis für Finanzgeschäfte im Volumen von mehr als 500 Billionen Dollar sind. Diese werden einmal am Tag ermittelt und beruhen auf den Angaben der Institute zu ihren Refinanzierungskosten. Händler der betroffenen Institute sollen mit falschen Daten den Zinssatz manipuliert und Handelsgewinne eingestrichen haben. Die Schweizer UBS, Barclays und die Royal Bank of Scotland mussten wegen der Verwicklung in die Affäre bereits Strafen zahlen - insgesamt mehr als 2,5 Milliarden Dollar.