Amazon kündigt umstrittenem Sicherheitsdienst

Montag, 18. Februar 2013, 18:06 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Der Versandhändler Amazon.com hat seinen umstrittenen Sicherheitsdienst in Deutschland gekündigt.

Damit zog das Unternehmen Konsequenzen aus dem Vorwurf unwürdiger Arbeitsbedingungen. Die Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsdienst werde mit sofortiger Wirkung beendet, erklärte eine Amazon-Sprecherin am Montag und bestätigte damit einen Bericht von süddeutsche.de. "Als verantwortungsvoller Arbeitgeber von rund 8000 fest angestellten Logistikmitarbeitern hat Amazon eine Null-Toleranz-Grenze für Diskriminierung und Einschüchterung - und wir erwarten das Gleiche von allen Unternehmen, mit denen wir arbeiten." Weitere Fragen zu den Arbeitsbedingungen beantwortete Amazon zunächst nicht.

Die ARD hatte berichtet, ausländische Mitarbeiter von Amazon seien von dem Sicherheitsdienst H.E.S.S. auf Schritt und Tritt kontrolliert worden. Die Firma soll demnach Kontakte in die Neonazi-Szene haben. Mitarbeiter hätten neonazi-typische Kleidungsmarken getragen, und der Geschäftsführer der Firma zeige sich auf Fotos im Internet mit verurteilten Rechtsextremen, berichteten die ARD-Journalisten. H.E.S.S. erklärte in einer Stellungnahme, es sei ein politisch und weltanschaulich neutrales Unternehmen und weise Verbindungen zum Rechtsextremismus zurück.

Der Internetkonzern stand bereits in der Vergangenheit wegen der Arbeitsbedingungen in der Kritik. Die Gewerkschaft Verdi kämpft nach Angaben von Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger schon seit längerem um gleiche Arbeitsbedingungen für Leiharbeiter bei Amazon. Diesen stünden nicht nur die gleiche Bezahlung sondern auch die gleichen Rechte wie den im Betrieb Beschäftigten zu.

Amazon war in dem Bericht wegen menschenunwürdiger Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern in seinem Versandlager im hessischen Bad Hersfeld kritisiert worden. Demnach wurden während des Weihnachtsgeschäfts Leiharbeiter aus Spanien und Polen in überbelegten Ferienwohnungen untergebracht, schlechter bezahlt als versprochen und stundenlang in Bussen hin und her gefahren. Die Sozialbeiträge für die Beschäftigten seien nicht korrekt abgeführt worden. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen drohte der Leiharbeitsfirma am Wochenende mit Konsequenzen.