Infineon legt technischen Grundstein für Renditeschub

Dienstag, 19. Februar 2013, 15:19 Uhr
 

Villach (Reuters) - Deutschlands größter Halbleiterhersteller Infineon hat mit einer neuen Fertigungstechnik die Basis für einen Renditeschub in der Zukunft gelegt.

Als erster Chiphersteller der Welt will der Konzern Stromsteuerchips auf großen, dünnen Siliziumscheiben produzieren, wie Vorstandschef Reinhard Ploss am Dienstag im österreichischen Villach verkündete. Die Fertigung auf sogenannten Dünnschicht-Wafern mit einem Durchmesser von 300 Millimetern bietet höhere Ausbeuten und einen geringeren Materialverbrauch als die herkömmliche Produktionsweise. Gegenüber den gängigen 200-Millimetern-Scheiben ist die Anzahl der produzierbaren Chips pro Scheibe etwa zweieinhalb Mal so hoch.

Die Werke in Villach und Dresden seien bereit, mit der Massenfertigung zu beginnen, sobald es die ersten Bestellungen gebe, kündigte Ploss an. Die ersten Kunden hätten bereits signalisiert, die Halbleiter zu kaufen. Eingesetzt werden die Bauelemente in Netzteilen von Computern, der Unterhaltungselektronik und im großen Maßstab in der Solar- und Windenergietechnik. Auch im Auto ersetzen die Chips verstärkt herkömmliche Komponenten.

"MEILENSTEIN"

An der Börse wurde der Fortschritt beklatscht. Die Infineon-Aktie legte gut drei Prozent zu und war damit größter Gewinner im Dax. "Das ist ein Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens. Ich hatte nicht erwartet, dass sie es so schnell schaffen", lobte Analyst Günther Hollfelder von der Baader Bank. "Es gibt ihnen die Chance, mittelfristig zu Spitzenmargen von an die 20 Prozent zurückzukehren." Infineon habe sich einen deutlichen Vorsprung vor Rivalen wie Fairchild oder International Rectifier erarbeitet und halte die asiatische Konkurrenz auf Abstand.

Finanzchef Dominik Asam hatte in Aussicht gestellt, ein Markterfolg der Technologie werde seinem Haus in den kommenden Jahren höhere Margen bescheren. Infineon investiert in die Aufrüstung rund 255 Millionen Euro. Im laufenden Jahr seien allerdings noch keine nennenswerten Einnahmen aus der Technik zu erwarten, die Investitionen zahlten sich unter dem Strich erst in einiger Zeit aus, sagte Ploss. "Wir denken nicht an die Zyklen des Marktes", erklärte er. "Wir wollen dem Markt zeigen, was möglich ist." Der Schritt geht in weiten Teilen auf seine Zeit als Produktionsvorstand zurück. Ploss hat den Chefsessel bei den Neubibergern erst im vergangenen Herbst übernommen, nachdem sein Vorgänger Peter Bauer wegen einer Erkrankung seinen Rückzug angekündigt hatte.

Infineon sieht die Talsohle in der zyklischen Halbleiterkonjunktur durchschritten und sagt für sich im laufenden Quartal steigende Einnahmen voraus. Für die neuen Chips habe sich Infineon bereits die Unterstützung mehrerer Großhändler gesichert, über die ein Großteil der sogenannten Leistungshalbleiter an die Endkunden in vielen Branchen weitervertrieben werden.