Gips-Milliardär will mit KlöCo Stahlhandel aufmischen

Dienstag, 19. Februar 2013, 15:51 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Dortmunder Baustoff-Milliardär Albrecht Knauf greift nach dem Stahlhändler Klöckner & Co (KlöCo): Knauf wolle sein Firmen-Imperium im Stahlhandel voranbringen, teilte der Unternehmer am Dienstag mit.

Die fast achtprozentige Beteiligung an KlöCo, die er am Montagabend überraschend gemeldet hatte, sei eine "strategische Investition". Der zur Knauf-Gruppe gehörende Essener Stahlhändler Interfer ist bisher vor allem in Europa und Deutschland aktiv, mit der global aufgestellten KlöCo könnte er sein Imperium etwa auf die USA und China erweitern. KlöCo fremdelt dagegen noch mit dem neuen Großaktionär: Ein Sprecher unterstrich, das Unternehmen wisse nicht, was Knauf mit dem Einstieg bezwecke.

Knauf hatte für gut 70 Millionen Euro einen Anteil von 7,82 Prozent an dem börsennotierten Duisburger KlöCo-Konzern gekauft, der Spekulationen über seine Motive auslöste. Börsianer setzen darauf, dass Knauf weiter aufstockt, weil er mit seinem bisherigen Anteil wenig bewegen könnte: KlöCo-Aktien schossen um zwölf Prozent auf 10,53 Euro in die Höhe. Für Analyst Heino Ruland von Ruland Research hat Knauf auch wegen der günstigen Kurse zugegriffen: "Die Aktien sind sehr preiswert, daher kommt ein solcher Schritt nicht überraschend." Dank des Kursanstiegs hat Knaufs Beteiligung am Dienstag schon acht Millionen Euro an Wert gewonnen. Baader-Bank-Analyst Christian Obst sagte, es liege nahe, dass Knauf seinen Anteil ausbaut.

KlöCo hat keinen Ankerinvestor, die Aktien sind breit am Markt verteilt, was Knauf in die Hände spielt. Finanzkreisen zufolge hat er die Deutsche Bank für den Deal engagiert. Zunächst blieb aber unklar, wie weit er seinen Anteil an KlöCo aufstocken will. Der Börsenwert von KlöCo schnellte am Dienstag um rund 100 Millionen auf 1,04 Milliarden Euro nach oben.

KERN AUS GIPS - NUR AM RAND STAHL

Die Knauf Gips KG mit Sitz im unterfränkischen Iphofen ist der Kern der Gruppe, die mit 23.000 Mitarbeitern auf die Herstellung von Baustoffen spezialisiert ist. Der Stahlhandel war bisher ein Randgeschäft.

Klöckner & Co ist mit einem Umsatz von 7,1 Milliarden Euro ungleich größer als Knauf Interfer, die laut Bundesanzeiger im Jahr 2011 mit 1500 Mitarbeitern auf 1,05 Milliarden Euro Umsatz und einen Gewinn von 3,4 Millionen Euro kam. Dennoch gehört das Unternehmen zu den größten herstellerunabhängigen Stahlhändlern in Deutschland. Albrecht Knauf hatte sich auch als Miteigentümer der Fluggesellschaft Eurowings und zeitweise als Vizepräsident und Großaktionär des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund einen Namen gemacht.

KlöCo konnte sich zuletzt der Stahlkrise in Europa nicht entziehen. Der Konzern hatte erst im November angekündigt, mehr als 1800 Stellen abzubauen. Auch für 2013 zeigt sich KlöCo nicht allzu zuversichtlich: In Europa rechne er in diesem Jahr trotz manch positiver Anzeichen noch nicht mit einem Wachstum des Stahlverbrauchs, hatte KlöCo-Chef Gisbert Rühl im Januar gesagt. Die Talsohle müsse noch durchschritten werden. Die Nachfrage in den USA werde hingegen weiter robust wachsen - davon profitiere auch KlöCo.

2012 war der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen (Ebitda) und Restrukturierungen wohl auf 130 bis 140 Millionen Euro eingebrochen. 2011 hatte KlöCo noch 217 Millionen Euro eingefahren. Genaue Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr will der MDax-Konzern Anfang März vorstellen.