Kabel Deutschland gibt Tele-Columbus-Übernahme auf

Dienstag, 19. Februar 2013, 16:19 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Jähes Ende eines langgehegten Übernahmeplans: Kabel Deutschland bläst den gut 600 Millionen Euro schweren Kauf des kleineren Kabelrivalen Tele Columbus wegen des erbitterten Widerstands der Wettbewerbshüter ab.

Freie Bahn hat nun ein ganz anderer - Vodafone hat den deutschen Kabelprimus einem Insider zufolge ins Visier genommen. Ohne zähen Kartellclinch im Rücken ist eine Übernahme von Kabel Deutschland für den britischen Mobilfunkriesen leichter zu stemmen.

Der Flop des Deals ist für Kabel Deutschland ein herber Rückschlag, hätte eine Integration von Tele Columbus doch deutliche Einsparungen gebracht. "Wir bedauern, dass das Bundeskartellamt trotz unserer umfangreichen Zusagen, mit denen wir bis an die Grenze des wirtschaftlich Vertretbaren gegangen sind, an seinen Bedenken festhält", sagte Konzernchef Adrian von Hammerstein. Der Bonner Behörde war der von Kabel Deutschland angebotene Teilverkauf von einem Fünftel des Tele-Columbus-Netzes nicht genug - nach ihrem Willen hätte sich der Marktführer von 60 Prozent des Kaufobjekts verabschieden sollen. Das war allerdings eine Forderung, die Kabel Deutschland viel zu hoch war. Damit ist der Deal de facto tot. Das Unternehmen geht davon aus, dass das Amt als nächstes den Kauf auch offiziell verbietet.

ANLEGER REAGIEREN VERSCHNUPFT - AKTIE UNTER DRUCK

Anleger reagierten enttäuscht auf den den Rückzug: Die Kabel-Deutschland-Papiere gaben am Dienstag um 1,7 Prozent auf 70 Euro nach und waren damit größter MDax-Verlierer. Nach dem Aus steht einem Händler zufolge ein anderes Thema wieder im Vordergrund: "Damit wird ein Einstieg von Vodafone wahrscheinlicher." Eine mit der Sache vertraute Person sagte der Nachrichtenagentur Reuters vergangene Woche, die Führung von Vodafone Deutschland habe dem Konzernvorstand in London einen Plan zur Übernahme von Kabel Deutschland unterbreitet. Doch sei noch keine Entscheidung gefallen, ob der Handy-Riese wirklich ein Gebot abgeben werde. Es dürfte auf jeden Fall teuer werden: An der Börse ist Kabel Deutschland 6,3 Milliarden Euro wert - zusätzlich müsste Vodafone noch die 2,8 Milliarden Euro schultern, mit denen die Münchner in der Kreide stehen. Üblicherweise wird bei Übernahmen noch ein Aufschlag auf den Aktienkurs fällig. Die teuerste Übernahme wäre es für Vodafone aber nicht. Im Jahr 2000 legten die Briten für die Mannesmann AG, zu der der Mobilfunker D2 Mannesmann gehörte, gut 200 Milliarden Dollar auf den Tisch.

Kabel Deutschland bereitet sich hinter den Kulissen auf ein Angebot aus England vor. Laut einem Insider aus dem Unternehmensumfeld sind die Investmentbanken Morgan Stanley und Perella Weinberg engagiert worden, um eine eventuelle Offerte zu prüfen. Vodafone hat Goldman Sachs eingeschaltet.

TELE COLUMBUS WIEDER ZU HABEN

Nach dem Platzen der Übernahmepläne muss Kabel Deutschland seine Strategie neu ordnen. Der Marktführer, der in 13 Bundesländern 8,5 Millionen Haushalte mit Fernsehen versorgt, hatte schon seit Jahren auf Tele Columbus geschielt. Plan war, durch eine Zusammenlegung Kosten zu senken. Das wäre einfach gewesen, da sich beispielsweise die Kabelstränge beider Unternehmen in vielen Städten in Ostdeutschland überlappen - die Netze lassen sich also leicht zusammenschalten. Der Umstand ist nach Aussagen einer mit der Prüfung vertrauten Person auch einer der Hauptgründe für die harte Haltung der Kartellwächter: Nach der Fusion hätten sich die beiden Kabelfirmen im Osten wesentlich weniger Konkurrenz gemacht. Insbesondere im Brot-und Butter-Geschäft, der Versorgung von großen Wohnblocks mit Kabelfernsehen, hätte es nur noch einen Anbieter gegeben.

Tele Columbus zählt 1,6 Millionen Kunden, ist neben Ostdeutschland auch in Hessen und Nordrhein-Westfalen aktiv und einer der letzten Kabelbetreiber, der in Deutschland noch zu haben ist. Nach dem Rückzug von Kabel Deutschland dürfte Tele Columbus wieder für Unitymedia interessant werden, sagte ein Frankfurter Banker. Allerdings sei auch hier ein Veto der Kartellbehörde zu befürchten. Unitymedia ist mit 6,7 Millionen TV-Kunden der zweitgrößte Kabelanbieter des Landes und hatte Insidern zufolge ebenso wie die Deutsche Telekom vergangenes Jahr ein Auge auf Tele Columbus geworfen.