Dell-Schwäche macht Aktionären Abschied leichter

Mittwoch, 20. Februar 2013, 19:17 Uhr
 

San Francisco (Reuters) - Der Computer-Hersteller Dell zeigt sich vor dem geplanten Kauf durch den Unternehmensgründer in immer schlechterer Verfassung.

Im Schlussquartal 2012 sackte der Gewinn des weltweit drittgrößten PC-Anbieters binnen Jahresfrist um fast ein Drittel ab, der Umsatz schrumpfte um gut ein Zehntel, wie das US-Unternehmen in der Nacht zum Mittwoch mitteilte.

Analysten zufolge dürfte der fortschreitende Niedergang es den Aktionären leichter machen, ihre Anteile an Gründer Michael Dell und den Finanzinvestor Silver Lake abzutreten. Mit der Unterstützung von Microsoft wollen diese Dell für 24,4 Milliarden Dollar von der Börse nehmen, um den Konzern abseits der Öffentlichkeit zu sanieren. "Die Transaktion macht Sinn", sagte Analyst Brian Marshall von der ISI Group. "Sie müssen vielleicht etwas mehr als 13,65 Dollar je Aktie auf den Tisch legen, aber letztendlich gibt es kaum Alternativen."

Die jüngste Absatzschwäche zeigte sich bei Dell auch vor Weihnachten quer durch die Bank. Nur das Geschäft mit Servern und Netzwerktechnik verzeichnete Zuwächse. Der Umsatz schrumpfte um elf Prozent auf 14,3 Milliarden Dollar, der Gewinn um 31 Prozent auf 530 Millionen Dollar. Eine Prognose für das laufende Jahr wagten die Dell-Manager angesichts des geplanten Übernahmeangebots nicht. Michael Dell schwieg aus dem gleichen Grund zum Geschäftsverlauf seiner Firma, die er 1984 in seiner Studentenbude gegründet hat.

AKTIONÄRE WOLLEN MEHR GELD SEHEN

Dell leidet unter der anhaltend schwachen Nachfrage nach herkömmlichen Computern. Im Schlussquartal lieferte der Konzern dem Marktforscher IDC zufolge nur rund 9,5 Millionen PCs aus, ein Fünftel weniger als im Vorjahr. Erstmals seit mehr als fünf Jahren musste Dell eine Delle im Weihnachtsgeschäft hinnehmen, obwohl Microsoft in der Zeit sein neues Betriebssystem Windows 8 auf den Markt brachte.

Die Verbraucher greifen inzwischen verstärkt zu Tablet-PCs oder Smartphones und lassen Notebooks und Desktops in den Regalen liegen. Während die Elektronik-Giganten Apple und Samsung mit dem Trend Milliarden scheffeln, sehen klassische PC-Hersteller wie Marktführer Hewlett-Packard, Fujitsu oder eben Dell ihre Felle davonschwimmen. Michael Dell will daher sein Haus nach dem Vorbild von IBM verstärkt auf das lukrativere Service-Geschäft ausrichten. Er will der Wall Street dabei aber nicht regelmäßig Rechenschaft ablegen.

Dass Dell im Schlussquartal immerhin noch etwas besser abgeschnitten hat als von Analysten vorhergesagt, rief die Aktionäre auf den Plan, die mehr Geld aus dem Vorhaben von Michael Dell schlagen wollen. "Die Ergebnisse erfordern unserer Meinung nach eine Anhebung des Angebots, so dass die gegenwärtigen Aktionäre auch eine gewisse Prämie einheimsen können, während das Übernahme-Konsortium künftig die Gewinne auskosten kann", mahnte Jeffreys-Analyst Peter Misek. Einen Preis pro Aktie von 15 Dollar betrachtet er als fair. Zuletzt hatten schon Großaktionäre, die über knapp 14 Prozent an Dell verfügen, angekündigt, gegen die Pläne von Michael Dell und seinen Partnern zu stimmen.

 
A man pushes a trolley full of Dell computers. REUTERS/Babu/Files