Abschreibungen und neuer Rivale setzen France Telecom zu

Mittwoch, 20. Februar 2013, 15:06 Uhr
 

Paris (Reuters) - Der harte Preiskampf auf dem Heimatmarkt und Abschreibungen auf Auslandstöchter haben France Telecom vergangenes Jahr einen massiven Gewinneinbruch eingebrockt.

Der Überschuss sei 2012 auf 820 Millionen Euro von 3,9 Milliarden Euro im Jahr zuvor gefallen, teilte Europas viertgrößter Telekom-Konzern am Mittwoch mit. Die Bilanz verhagelte haben vor allem die Geschäfte in Polen, Ägypten und Rumänien. Der Wert der dortigen Töchter musste um insgesamt 1,8 Milliarden Euro gemindert werden. Hinzu kam noch der Gegenwind auf dem einst noch übersichtlichen Heimatmarkt. Hier mischt seit einem Jahr der neue Mobilfunkanbieter Free die Branche mit Tiefpreisen auf.

Mittlerweile kommt Free auf einen Marktanteil von gut sechs Prozent. Der Betriebsgewinn (Ebitda) von France Telecom ging im Jahresschlussquartal wegen dieser Faktoren um neun Prozent auf 3,1 Milliarden Euro zurück. Besserung ist nicht in Sicht. "Der Druck auf die Preise wird 2013 schlimmer sein als wir dachten", sagte Finanzchef Gervais Pellissier. Das Unternehmen werde deshalb die Kosten besser in den Griff kriegen müssen. Im Gegensatz zu den heimischen Mobilfunk-Rivalen Vivendi SFR und Bouygues Telecom plant der Konzern aber keine direkte Stellenstreichung - vielmehr sollten etwa Jobs von Mitarbeitern, die in Rente gehen, nicht wieder besetzt werden. Für vergangenes und dieses Jahr plant France Telecom wie gehabt eine Dividende von 80 Cent je Aktie. Größter Empfänger ist der französische Staat, der an dem Unternehmen noch 27 Prozent hält.

Frisches Geld könnte durch den Teilausstieg bei der britischen Tochter EE kommen, die die Franzosen mit der Deutschen Telekom betreiben. Die Partner wollen über einen Börsengang ihres Joint Ventures nach Vorlage von dessen Halbjahreszahlen entscheiden, wie Pellissier erläuterte. Gelistet werden sollen demnach nur 15 bis 20 Prozent der Anteile. Die Eigentümer wollten auch nach der Erstnotiz weiter die Kontrolle über den größten britischen Mobilfunkbetreiber behalten. EE hatte im Oktober auf der Insel das erste LTE-Mobilfunknetz eingeführt. Mit der neuen Technologie können Kunden mobile Dienste in Höchstgeschwindigkeit nutzen. Am Dienstag hatte sich der britische Anbieter zufrieden mit dem Start der schnellen Internetverbindung gezeigt. Kunden würden im Durchschnitt zehn Prozent mehr ausgeben, weil sie mehr Daten herunterladen und Videoanrufe nutzten.