Amazon-Deutschlandchef bedauert Vorfälle gegen Leiharbeiter

Donnerstag, 21. Februar 2013, 18:25 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Nach der massiven Kritik an unwürdigen Arbeitsbedingungen hat der Geschäftsführer von Amazon Deutschland, Ralf Kleber, öffentlich den Umgang mit Leiharbeitern in seinem Unternehmen bedauert.

"Ich bedauere die Vorfälle im Seepark. Die Fernsehbilder, die wir gesehen haben, machen mich betroffen", sagte Kleber am Donnerstag zu "Spiegel Online". "Dass ein Sicherheitsdienst in der gezeigten Art und Weise unsere Mitarbeiter bedrängt, das ist nicht akzeptabel."

Kleber kündigte zugleich weitere Maßnahmen an. Die Beendigung der Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsdienst und mit einem weiteren Dienstleister sei nur der Anfang gewesen. "Wir prüfen, welche weiteren Konsequenzen wir noch ziehen werden", sagte er.

Der Geschäftsführer für das Deutschland-Geschäft betonte, Leiharbeit sei keine gängige Praxis bei Amazon. "Wir brauchen Leiharbeiter, um das Saisongeschäft abzufedern, und wir haben den Anspruch, die Leiharbeiter genauso zu behandeln und zu bezahlen, wie unsere Stammbelegschaft." Der Prozentsatz der Leiharbeiter bei Amazon sei "verschwindend gering".

Kleber sprach sich für mehr Mitbestimmung bei Amazon Deutschland aus. "Ich finde Betriebsräte sehr gut und ich ermuntere die Mitarbeiter in unseren Logistikzentren, Betriebsräte mitzugründen", sagte er. An zwei von acht deutschen Standorten gebe es bereits Betriebsräte, an einem dritten formiere sich gerade einer.

Kleber begrüßte zugleich die Ermittlungen des Bundeskartellamts gegen Amazon, da durch das Verfahren Klarheit in einer wichtigen Grundsatzfrage geschaffen werde.

Amazon waren in einem ARD-Bericht menschenunwürdige Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern aus Spanien und Polen in seinem Versandlager im hessischen Bad Hersfeld vorgeworfen worden. Der Konzern hat einem umstrittenen Sicherheitsdienst bereits gekündigt. Auch die Kooperation mit einem Dienstleister, der für Unterbringung, Transport und Einsatz der Leiharbeitskräfte verantwortlich war, wurde beendet.

 
Work is carried out at Amazon's logistics centre in Graben near Augsburg December 17, 2012. REUTERS/Michael Dalder