Insider: Kabel Deutschland will Vodafone nicht abwehren

Donnerstag, 21. Februar 2013, 18:59 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Kabel Deutschland plant Insidern zufolge derzeit keine Abwehrmaßnahmen gegen eine mögliche Übernahmeofferte von Vodafone.

"Kabel Deutschland ist nicht in Abwehrhaltung", sagten zwei mit der Sache vertraute Personen am Donnerstag zu Reuters. Der Kabelnetz-Marktführer werde jedes Angebot offen prüfen. Einer der Insider sagte, dass das Management in einem Zusammenrücken mit Vodafone strategische Vorteile für das eigene Unternehmen sähe. Kabel Deutschland wollte sich dazu nicht äußern.

Reuters hatte in der Vorwoche von einem anderen Insider erfahren, dass der britische Mobilfunkriese Vodafone ein Übernahmeangebot für das seit 2010 an der Börse notierte Unternehmen erwägt. Der Plan, der von Vodafone Deutschland ausgearbeitet worden sei, müsse noch von der Konzern-Spitze in London abgesegnet werden, hieß es seinerzeit. "Es gab bislang keine Gespräche zwischen Vodafone und Kabel Deutschland - weder liegt eine Offerte vor noch wurde der offizielle Prozess gestartet", sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person.

Nach der Reuters-Meldung drehten die im MDax gelisteten Kabel-Deutschland-Aktien, die zuvor 1,7 Prozent tiefer lagen, ins Plus und bauten die Kursgewinne auf ein knapp ein Prozent aus. Der Deal wäre Experten zufolge für beide Unternehmen sinnvoll. Vodafone gehört mit 33,9 Millionen Handykunden neben der Deutschen Telekom zu den Platzhirschen auf dem deutschen Mobilfunkmarkt. Daneben betreibt der Konzern, dessen Deutschland-Sitz in Düsseldorf ist, noch eine Festnetz- und DSL-Sparte - die einstige Arcor.

Aufgrund des harten Wettbewerbs und der halben Milliarde Euro Gebühren, die der Konzern jährlich für die Miete der letzten Meile an die Telekom überweisen muss, macht das Geschäft dem Vodafone-Management seit Jahren keine Freude. Die Zahl der Festnetz-Kunden ist rückläufig - jüngst waren es 3,2 Millionen, viel zu wenig, um das landesweite Netz auszulasten. Mit Kabel Deutschland käme Vodafone an ein modernes Glasfasernetz, das wesentlich höhere Internet-Geschwindigkeiten erlaubt als die DSL-Technik der Telefon-Konzerne. Der deutsche Kabel-Marktführer versorgt in 13 Bundesländern 8,5 Millionen Haushalte mit Fernsehen, Internet und Telefon.

Falls Vodafone zuschlägt, dürfte es kostspielig werden: An der Börse ist Kabel Deutschland 6,3 Milliarden Euro wert - zusätzlich müsste Vodafone noch die 2,8 Milliarden Euro schultern, mit denen die Münchner in der Kreide stehen. Üblicherweise wird bei Übernahmen noch ein Aufschlag auf den Aktienkurs fällig.

- von Peter Maushagen und Philipp Halstrick

 
An advertising billboard of Germany's biggest cable operator Kabel Deutschland and mobile operator Vodafone is pictured in a shop in Berlin February 20, 2013. Kabel Deutschland is to hike its dividend 67 percent in a move which some traders and investors saw as a first defensive jab to ward off a possible 10 billion euros ($13.4 billion) bid from Vodafone. REUTERS/Fabrizio Bensch (GERMANY - Tags: BUSINESS TELECOMS)