Rhön erwartet 2013 etwas mehr Gewinn - "Übergangsjahr"

Donnerstag, 21. Februar 2013, 17:24 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die neue Spitze von Rhön-Klinikum will den Konzern nach dem geplatzten Verkauf an Fresenius und dem Streit um die Uniklinik in Gießen und Marburg wieder in ruhiges Fahrwasser bringen.

"2013 wird ein Übergangsjahr", sagte der seit Jahresanfang amtierende Konzernchef Martin Siebert am Donnerstag. Viele der geplanten Umbaumaßnahmen in Gießen und Marburg würden sich wohl erst 2014 in der Bilanz des fränkischen Klinikbetreibers bemerkbar machen. 2013 rechnet Siebert deshalb nur mit einem moderaten Gewinnanstieg gegenüber dem Vorjahr, in dem Rhön mit zahlreichen Sonderfaktoren zu kämpfen hatte.

Der Übernahmeversuch durch Fresenius kostete Rhön Millionen an Beratungsgebühren und band Managementkapazitäten. Am Ende brach der Rhön-Gewinn um 43 Prozent auf 92 Millionen Euro ein. Im laufenden Jahr soll der Gewinn um rund ein rund Fünftel auf 110 Millionen Euro steigen. Obwohl das Unternehmen damit hinter den Erwartungen der Analysten zurückbliebt, legte die Rhön-Aktie gegen den Markttrend rund ein Prozent zu. "Dieser Ausblick ist offensichtlich konservativ, da das neue Management die Latte nicht zu hoch legen und Vertrauen der Investoren zurückgewinnen will", erklärte Warburg-Analyst Ulrich Huwald.

Im vergangenen Jahr hatte Rhön seine Gewinnprognose zwei Mal kassiert - vor allem wegen Problemen in Gießen und Marburg. In der Universitätsklinik, die Rhön 2006 übernommen hatte, gab es immer wieder Streit mit den Arbeitnehmern wegen Kostensenkungen und Stellenstreichungen. Dieser Konflikt wurde Ende Januar mit einer Vereinbarung zwischen Rhön und dem Land Hessen fürs Erste beigelegt. Hessen pumpt künftig jedes Jahr mehrere Millionen Euro in die beiden Häuser. Rhön verpflichtete sich im Gegenzug zu einer Reihe von Investitionen.

In den Sternen steht jedoch noch, ob Rhön wie vereinbart bis Jahresende eine Anlage zur Partikeltherapie von Tumorpatienten in Betrieb zu nehmen wird. Der Konzern prüfe derzeit verschiedene Optionen, sagte Finanzchef Jens-Peter Neumann. "Wir sprechen mit drei potenziellen Partnern." Siemens und Rhön hatten im Sommer 2011 eigentlich den Plan aufgegeben, die Anlage in Marburg dauerhaft kommerziell zu betreiben - sie hatten argumentiert, das rentiere sich nicht. Das Land Hessen dringt aber auf eine Inbetriebnahme, zu der sich Rhön 2006 bei der Übernahme der Kliniken verpflichtet hatte.

Trotz der Tumulte bei Rhön stieg die Zahl der behandelten Patienten im vergangen Jahr um rund zwölf Prozent auf mehr als 2,5 Millionen. Der Umsatz kletterte um neun Prozent auf 2,86 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr will der Konzern erstmals die Drei-Milliarden-Euro-Grenze knacken und peilt Erlöse von 3,03 Milliarden Euro an.

- von Andreas Kröner