Novartis-Präsident besänftigt Aktionäre mit Selbstkritik

Freitag, 22. Februar 2013, 15:54 Uhr
 

Basel (Reuters) - Nach dem Skandal um seinen "goldenen Handschlag" hat sich Novartis-Chef Daniel Vasella zum Abschied reuig gezeigt.

Der scheidende Präsident des Schweizer Pharmariesen hat seine Abgangsentschädigung von 72 Millionen Franken (58 Millionen Euro) vor den Aktionären als Fehler bezeichnet. "Die heftigen Reaktionen und Vorwürfe, die mir als Folge der vielseitig diskutierten Entschädigung für das Konkurrenzverbot gemacht wurden, sind dabei keineswegs spurlos an mir vorübergegangen", sagte er am Freitag auf der Generalversammlung in Basel. Nach Proteststürmen in der Öffentlichkeit hatte Vasella wenige Tage vor dem Aktionärstreffen auf seine millionenschwere Abgangszahlung verzichtet.

Er habe im Zusammenhang mit der Millionenzahlung zwei Fehler gemacht, räumte Vasella vor rund 2700 Aktionären ein. "Der erste war, diesen Vertrag überhaupt auszuhandeln." Der zweite Fehler sei die Annahme gewesen, dass es positiv gesehen werde, wenn er die Millionen für gemeinnützige Zwecke spende, sagte der 59 Jahre alte Manager auf seiner letzten Generalversammlung als Präsident.

Mit seinem Eingeständnis nahm Vasella seinen Kritikern Wind aus den Segeln und bekam von den Aktionären einen versöhnlichen Abschied. "Wir wissen es zu schätzen, dass sie ihren Irrtum eingesehen haben und diesen Vertrag annulliert haben", sagte der Chef der Aktionärsgruppe Ethos, Dominique Biedermann. Trotzdem bleibe ein sehr schlechter Eindruck von der Funktionsweise des Verwaltungsrats zurück, der die Millionen für Vasella schließlich beschlossen habe. "Wir haben den Eindruck, dass niemand von Ihnen den Mut hatte, einem Präsidenten die Stirn zu bieten, der im Laufe von zehn Jahren Ämterkumulation als Präsident und CEO immer mehr zum Alleinherrscher wurde", erklärte Biedermann an die Verwaltungsräte gewandt.

NUR BESCHEIDENER WIDERSTAND GEGEN MANAGEMENTGEHÄLTER

In den anschließenden Abstimmungen schlugen sich die kritischen Aktionärsstimmen kaum nieder. Gut 93 Prozent der Aktionäre sprachen sich dafür aus, Geschäftsleitung und Verwaltungsrat für das Jahr 2012 zu entlasten. Der Geschäftsbericht wurde mit 98 Prozent Ja-Stimmen verabschiedet. Auch ein neues Vergütungssystem für die Geschäftsleitung wurde in einer nicht bindenden Konsultativ-Abstimmung mit 78 Prozent Zustimmung praktisch diskussionslos angenommen. "Sie haben sehr gut auf den Skandal reagiert und ich denke, Herr Vasella hat das sehr professionell gemacht", sagte Rudolf Meyer, Präsident der Aktionärsgruppe Actares. "Das hat den Zorn der Leute abgekühlt."

Dazu kommt, dass angelsächsische Investoren hohen Managerlöhnen weniger kritisch gegenüberstehen. 46 Prozent der Novartis-Aktien liegen bei amerikanischen Anlegern. Viele Investoren haben zudem ihre Stimme bereits abgegeben, bevor Vasellas Abgangszahlung bekanntwurde.

Die millionenschwere Abgangszahlung für Vasella, deren Einzelheiten zunächst geheim gehalten wurden, hatte seit dem vergangenen Wochenende in der Schweiz für Empörung gesorgt. Aus Sicht von Novartis handelte es sich um eine Entschädigung für ein Konkurrenzverbot, das Vasella unterschrieben hatte. Zu Beginn dieser Woche wurde die Vereinbarung wieder aufgehoben.

Der Fall könnte das Ergebnis der sogenannten "Abzocker-Initiative" beeinflussen, über die die Schweizer am 3. März abstimmen. Diese will, dass Aktionäre in Zukunft nicht nur konsultativ, sondern bindend über Managerlöhne bestimmen können. In der jüngsten, am Mittwoch veröffentlichten Umfrage hatten die Befürworter der Initiative einen deutlichen Vorsprung, obwohl die Gegner unter der Führung des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse mit einem Millionenetat dagegen kämpfen. Dass Vasellas Verzicht das Blatt noch wenden kann, wird bezweifelt.

JÖRG REINHARDT ZIEHT MIT GLANZERGEBNIS IN VERWALTUNGSRAT EIN

Mit Glanzresultaten von jeweils rund 98 Prozent Ja-Stimmen wurden vier neue Verwaltungsratsmitglieder gewählt, darunter der Bayer-Manager Jörg Reinhardt. Er soll Vasella an der Spitze des Gremiums ablösen. Für Reinhardt, der seit 2010 die Bayer-Sparte Healthcare leitet, ist der Wechsel eine Rückkehr nach Basel. Der Deutsche blickt auf eine langjährige Karriere bei Novartis zurück und galt als möglicher Nachfolger Vasellas als CEO, bevor er zu Bayer wechselte.

 
Outgoing Chairman of Swiss drug maker Novartis Daniel Vasella pauses during the annual shareholders general meeting in Basel February 22, 2013. Novartis scrapped plans on February 19, 2013 to pay its outgoing chairman Daniel Vasella 72 million Swiss francs ($78 million) to stop him working for rivals, bowing to mounting anger in Switzerland over executive compensation. REUTERS/Arnd Wiegmann(SWITZERLAND - Tags: BUSINESS HEALTH) - RTR3E43S