Scheichs schieben Air Berlin über Gewinnlinie

Freitag, 22. Februar 2013, 14:30 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Erster Gewinn seit fünf Jahren: Dank großzügiger Unterstützung des arabischen Großaktionärs Etihad und eines harten Sparkurses schreibt Air Berlin wieder schwarze Zahlen.

Dauerhaft über den Wolken ist Deutschlands zweitgrößte Airline damit noch nicht. Das Finanzpolster ist weiter hauchdünn, die Strategie schwankt zwischen Langstrecken-Anbieter, Ferienflieger und Zubringer für den gigantischen Etihad-Flughafen am Persischen Golf. Der neue Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer hat noch viel zu tun.

Im vergangenen Jahr landete Air Berlin zum ersten Mal seit 2007 in der Gewinnzone. Unter dem Strich standen 6,8 Millionen Euro, wie die Airline mitteilte. Hauptgründe: Die Kosten konnten wie geplant um 250 Millionen Euro gedrückt werden. Zudem griff Etihad den Berlinern unter die Flügel und kaufte im November das Air-Berlin-Vielfliegerprogramm "Topbonus" für 184 Millionen Euro. Knauserig war Etihad, die dem Herrscherhaus des ölreichen Emirates gehört, dabei nicht. Für wenig mehr hätte die schnellwachsende Airline auch das ganze Unternehmen schlucken können: Air Berlin war damals an der Börse knapp 190 Millionen Euro wert. Experten bezeichnen den Deal daher als Geldspritze für Air Berlin, die nicht so heißen durfte. Ein Darlehen über 255 Millionen Dollar, das Etihad bei seinem Einstieg Ende 2011 bereitstellte, hatte Air Berlin bereits größtenteils aufgezehrt. Die Golf-Fluglinie hält knapp 30 Prozent an Air Berlin.

"Wir sind noch nicht am Ziel und sind uns bewusst, dass zum Ergebnis 2012 auch Einmaleffekte beigetragen haben", erklärte Prock-Schauer. Er sei zuversichtlich, mit dem jüngst begonnenen zweite Sanierungsprogramm "Turbine" das Unternehmen für die Zukunft wettbewerbsfähig aufzustellen und nachhaltig profitabel zu arbeiten. Bis Ende 2014 sind nochmals Kostensenkungen von 450 Millionen Euro angepeilt. Rund 900 der insgesamt 9300 Arbeitsplätze fallen weg. Der Österreicher Prock-Schauer hatte zu Jahresbeginn Hartmut Mehdorn an der Konzernspitze abgelöst.

Nach Ansicht von Airline-Analyst Sebastian Hein vom Bankhaus Lampe geht der neue Chef nicht weit genug: "Air Berlin braucht eine schlüssige Strategie." Sparen allein sei kein Zukunftskonzept, insbesondere angesichts des harten Wettbewerbs, in dem Air Berlin sich befindet. "Etihad gibt die Richtung vor und benötigt Air Berlin in erster Linie, um Zubringerflüge an das Hub nach Abu Dhabi anzubieten." Gleichzeitig versuche sich Air Berlin aber noch als Lufthansa-Rivale auf der Langstrecke, sowie als Charter-Flieger. Das seien zu viele Geschäftsmodelle.

AKTIE IM STEILFLUG

Anleger applaudierten der Gewinnwende: Die SDax-Titel stiegen in der Spitze um knapp elf Prozent auf 2,60 Euro. Die Zahlen sähen besser aus als erwartet, kommentierte ein Händler den Kurssprung. DZ-Bank-Analyst Robert Czerwensky zeigte sich skeptisch. Trotz des ersten Gewinns seit Jahren sei "die Finanzsituation von Air Berlin wieder sehr schwach." Ende 2012 betrug die Eigenkapitalquote des Unternehmens sechs Prozent und damit nur knapp mehr als im Jahr zuvor. In der kapitalintensiven und risikoreichen Flugbranche ist das wenig - die Lufthansa etwa weist eine Quote von 29 Prozent aus. Zudem gab es weitere unerfreuliche Nachrichten: Auf Druck der "Bilanzpolizei" DPR korrigierte Air Berlin nachträglich das Ergebnis für das Jahr 2011 drastisch nach unten. Der Verlust fällt mit 420,4 Millionen Euro um 149 Millionen Euro höher aus als ursprünglich ausgewiesen. Die DPR verlangte eine Korrektur des Wertansatzes von Steuervorteilen. Ein solcher Steuerbonus fällt etwa dank Verlustvorträgen an. Damit kann ein Unternehmen die Steuerlast in den Folgejahren senken - das fällt aber nur ins Gewicht, wenn tatsächlich Gewinne geschrieben werden.

Unter Gründer und Mehdorn-Vorgänger Joachim Hunold hatte Air Berlin Rivalen wie DBA, LTU und Niki geschluckt und kräftig expandiert. Ziel war, der Lufthansa die Vorherrschaft am Himmel streitig zu machen. Die Strategie scheiterte und brachte Air Berlin finanziell in Turbulenzen. Auch die immer wieder hinausgeschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER macht Air Berlin zu schaffen. Die Airline will BER zu seinem Heimatflughafen machen und die Strecken ausweiten.