Tarifstreit bei RWE beigelegt

Montag, 25. Februar 2013, 15:06 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Die rund 50.000 Beschäftigten von RWE in Deutschland bekommen mehr Geld.

Mit dieser Zusage und dem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2014 hat Vorstandschef Peter Terium nach Gewerkschaftsangaben einen Streik - den ersten seit fast 100 Jahren - bei dem zweitgrößten deutschen Versorger am Montag abgewendet. Im Tarifstreit einigten sich die Gewerkschaften Verdi und IG BCE demnach mit dem Management auf eine Erhöhung der Löhne um 2,75 Prozent in diesem Jahr und 1,75 Prozent im kommenden Jahr. Zudem gebe es zwei Einmalzahlungen von 250 Euro. Die Gewerkschaften hatten zwar sechs Prozent gefordert, wollten aber vor allem einen weiteren Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen durchsetzen. Terium baut rund 10.000 Stellen bei dem durch die Atomwende unter Druck geratenem Versorger ab - u.a. durch Unternehmensverkäufe und Fluktuation.

RWE äußerte sich zu der Einigung zunächst nicht, da der Konzern noch endgültig grünes Licht geben musste. Die Tarifvereinbarung gilt unmittelbar für 30.000 RWE-Mitarbeiter in Deutschland. Er wird in der Regel von Töchtern wie den Regionalversorgern mit weiteren 20.000 Beschäftigten übernommen. Über die Details der Vereinbarung hatte Reuters bereits am Samstag berichtet.

"Das war keine einfache Runde und alles andere als ein Selbstläufer", sagte IG-BCE-Verhandlungsführer Holger Nieden. Der Abschluss sei in der Tarifkommission auf eine breite Zustimmung gestoßen. Ein Streik sei in letzter Sekunde verhindert worden, erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Erhard Ott. "Insbesondere die Vereinbarung zum Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen gibt den Beschäftigten um weitere zwei Jahre Planungssicherheit."

TERIUM WILL MITARBEITER FLEXIBLER VERSETZEN KÖNNEN

Die Arbeitnehmervertreter hatten ursprünglich eine Verlängerung des Vertrages zur Beschäftigungssicherung um zehn Jahre gefordert. Terium hatte dies abgelehnt und zudem gefordert, dass Mitarbeiter flexibler als bislang in andere Konzerngesellschaften wechseln. RWE muss für zahlreiche Beschäftigte neue Aufgaben finden, so etwa für Mitarbeiter des 2011 stillgelegten Atomkraftwerks Biblis. In den kommenden Jahren werden die Meiler Gundremmingen und Lingen abgeschaltet. Zudem können auch neue Kohle- und Gaskraftwerke mit weniger Mitarbeitern betrieben werden als die alten Anlagen. Terium prüft, Aufgaben etwa aus dem Personal- und Rechnungswesen auszugliedern - auch ins billigere Ausland.

Bis Ende 2013 wollen die Tarifparteien nun eine Nachfolgeregelung für den Beschäftigungssicherungsvertrag vereinbaren. RWE beschäftigt rund 71.000 Mitarbeiter. Terium will bis 2014 zusätzlich rund eine Milliarde Euro einsparen, rund 300 Millionen Euro über Stellenstreichungen. RWE ist wie der Konkurrent E.ON durch die Atomwende, das schwächelnde Gasgeschäft und die fallenden Strom-Großhandelspreise unter Druck geraten. E.ON hatte in der vergangenen Woche seinen Tarifstreit beigelegt und damit einen ersten Streik in der Unternehmensgeschichte beigelegt. Die rund 30.000 Beschäftigten in Deutschland erhalten 2,8 Prozent mehr Lohn und eine Einmalzahlung von 300 Euro. Die Laufzeit beträgt 13 Monate.

 
The new coal power plant is pictured during an official opening ceremony in the western city of Neurath August 15, 2012. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: POLITICS ENERGY)