Insider - Vodafone behält Kabel Deutschland im Visier

Mittwoch, 27. Februar 2013, 13:42 Uhr
 

Frankfurt/Barcelona (Reuters) - Der britische Mobilfunkriese Vodafone umkreist einem Insider zufolge Kabel Deutschland weiter.

Das Vodafone-Management schätze eine Übernahme von Kabel Deutschland immer noch als sinnvoll ein, überdenke derzeit aber seine Herangehensweise nachdem der Plan öffentlich bekanntgeworden sei, sagte ein mit dem Vorhaben vertrauter Banker am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Falls Vodafone sofort mit dem Kabel-Marktführer Kontakt aufnehme, müsste das unverzüglich publik gemacht werden. "Es dauert einfach noch ein wenig länger", sagte der Insider.

Reuters hatte vor zwei Wochen erfahren, dass Vodafone ein Übernahmeangebot für den seit 2010 an der Börse notierten Kabelnetzbetreiber erwägt. Der Plan, der von Vodafone Deutschland ausgearbeitet worden sei, musste aber noch von der Konzern-Spitze in London abgesegnet werden. "Das Leck kam viel zu früh und sorgte dafür, dass der Prozess ins Stocken kam", sagte der Banker.

Vodafone und Kabel Deutschland wollten sich dazu nicht äußern. Die Nachrichtenagentur "Bloomberg" berichtete am Mittwoch unter Verweis auf mit der Sache vertraute Personen, dass der Mobilfunkriese seine Pläne für eine Offerte zunächst auf Eis gelegt habe. Das Leck habe die Sache komplizierter gemacht. Einen neuen Zeitrahmen für eine Offerte gebe es nicht, hieß es. Die Agentur hatte zuvor ebenfalls berichtet, dass Vodafone nach den Kabel-Deutschland-Quartalszahlen bei den Münchner vorstellig wird. Der Kabel-Marktführer hatte seine Zwischenbilanz Mitte vergangener Woche vorgelegt.

AKTIEN VON KABEL DEUTSCHLAND UNTER DRUCK

Die Nachricht über das Zögern von Vodafone kam bei Anlegern nicht gut an: Die Kabel-Deutschland-Titel verloren am Mittwoch gut drei Prozent. Nach Einschätzung eines Fondsmanagers wird Vodafone warten, bis ein wenig Gras über die Geschichte gewachsen sei und dann in sechs Wochen Gespräche mit dem Management des deutschen Kabelmarktführer aufnehmen.

Der Deal wäre Experten zufolge für beide Unternehmen sinnvoll. Vodafone gehört mit 33,9 Millionen Handykunden neben der Deutschen Telekom zu den Platzhirschen auf dem deutschen Mobilfunkmarkt. Daneben betreibt der Konzern, dessen Deutschland-Sitz in Düsseldorf sitzt, noch eine Festnetz- und DSL-Sparte - die einstige Arcor. Der harte Wettbewerb und die hohe Miete für die letzte Meile an die Deutsche Telekom setzt dem Festnetzgeschäft seit Jahren zu. Die Zahl der Festnetz-Kunden ist rückläufig - jüngst waren es 3,2 Millionen, viel zu wenig, um das landesweite Netz auszulasten. Mit Kabel Deutschland käme Vodafone an ein modernes Glasfasernetz, das wesentlich höhere Internet-Geschwindigkeiten erlaubt als die DSL-Technik der Telefon-Konzerne. Der deutsche Kabel-Marktführer versorgt in 13 Bundesländern 8,5 Millionen Haushalte mit Fernsehen, Internet und Telefon.

Falls Vodafone zuschlägt, dürfte es kostspielig werden: An der Börse ist Kabel Deutschland etwa sechs Milliarden Euro wert - zusätzlich müsste Vodafone noch die 2,8 Milliarden Euro schultern, mit denen die Münchner in der Kreide stehen. Üblicherweise wird bei Übernahmen noch ein Aufschlag auf den Aktienkurs fällig.