Neuer Hochtief-Chef sagt Teil des Europa-Geschäfts Adios

Donnerstag, 28. Februar 2013, 08:32 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Der neue Hochtief-Chef Marcelino Fernández Verdes will sich von Teilen des Europa-Geschäfts verabschieden.

Der vom spanischen Mehrheitseigner ACS entsandte Manager will den Essener Konzern auf das Infrastruktur-Geschäft konzentrieren: "Die größten Potenziale sehen wir im klassischen Baubereich", erklärte der seit November amtierende Verdes am Donnerstag in Düsseldorf.

Einheiten mit mehr als 5500 Mitarbeitern sollen verkauft werden, für zwei Projektentwickler prüft Verdes "strategische Optionen" wie etwa Partnerschaften. Insgesamt steht rund die Hälfte des zuletzt margenschwachen Europa-Geschäfts zur Disposition. Die bereits angekündigten Verkäufe von Flughafen- und Immobilienbeteiligungen will er vorantreiben - auch wenn sich die seit Jahren geplante Trennung von den Flughäfen "weiterhin schwierig" gestalte. Hochtief solle sich künftig auf Kernkompetenzen konzentrieren und zu einem der größten Infrastrukturanbieter der Welt werden - also Projekte in Verkehr, Energie oder Städtebau realisieren. Hochtief schlägt damit einen anderen Weg ein als Konkurrent Bilfinger, der das Service-Geschäft forcieren will.

Der vom spanischen Großaktionär ACS entsandte Verdes hatte nach seiner Amtsübernahme im vergangenen November alle Unternehmensteile auf den Prüfstand gestellt. Verdes hatte immer wieder betont, er wolle Hochtief auf Profit trimmen. Der Konzern müsse dabei aber noch ein "hartes Stück Weg" zurücklegen. ACS hatte sich nach einem langen Übernahmekampf 2011 die Mehrheit an Hochtief mit seinen rund 80.000 Mitarbeitern und Auslandstöchtern wie Leighton gesichert. In der Belegschaft waren immer wieder Befürchtungen laut geworden, ACS könne Hochtief zerschlagen. Der Konzern werde in diesem Jahr 140 Jahre alt und solle "auch in Zukunft Geschichte schreiben", versicherte Verdes. Hochtief werde ein in Deutschland börsennotiertes Unternehmen mit Hauptsitz in Essen bleiben, versicherte der Spanier erneut.

Verdes kann mit einem Gewinn im Rücken die Neuausrichtung des größten deutschen Baukonzerns in Angriff nehmen. Das Jahr 2012 schloss Hochtief mit einem Ergebnis vor Steuern (Ebt) von 546,4 Millionen Euro ab - vor Jahresfrist stand nach Problemen bei der australischen Tochter Leighton noch ein Verlust von 127 Millionen Euro in den Büchern. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 158,1 (Vorjahr: minus 160,3) Millionen Euro. Und anders als 2011 sollen die Anteilseigner um Großaktionär ACS wieder eine Dividende erhalten: 1,00 Euro je Anteilsschein sollen für das Jahr 2012 ausgeschüttet werden.

Hochtief blieb damit hinter den Erwartungen des Marktes zurück. Von Reuters befragte Analysten hatten im Mittel mit einem Ergebnis vor Steuern von 561 Millionen Euro, einem Überschuss von 185 Millionen Euro und einer Dividende von 1,22 Euro gerechnet. Hochtief geht 2013 nun mit gut gefüllten Orderbüchern an: Der Auftragseingang lag Ende 2012 bei 31,49 Milliarden Euro, der Auftragsbestand bei 49,79 Milliarden Euro.

Für 2013 erwartet Verdes Auftragseingang, Leistung und Auftragsbestand unter den Werten des Vorjahres. Beim Vorsteuerergebnis und Konzerngewinn wird eine Steigerung von zehn bis 20 Prozent gegenüber 2012 angepeilt. Restrukturierungskosten und Verkaufseffekte seien darin aber nicht enthalten. Spätestens Ende 2014 wolle der Konzern eine Nettofinanzvermögensposition erreichen. Im frühen Geschäft von Lang & Schwarz sank der Hochtief-Kurs um 1,2 Prozent.

 
A shareholder is pictured during the annual meeting of Hochtief AG in Essen May 12, 2011. REUTERS/Ina Fassbender