Gespräche über Opel-Sanierung vor Abschluss

Donnerstag, 28. Februar 2013, 13:45 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - Nach monatelangen Verhandlungen über die Sanierung von Opel stehen Management und Gewerkschaft vor einer Einigung.

"Wir stehen kurz vor einem möglichen Abschluss", sagte ein IG-Metall-Sprecher am Donnerstag. Die Verhandlungen gestalteten sich allerdings schwierig und könnten sich bis Freitagfrüh hinziehen. Ein Gewerkschaftsinsider fügte hinzu, der Opel-Mutterkonzern General Motors mache Druck, damit es noch am Donnerstag zu einer Einigung komme. Im Gespräch sei ein Konzept zur Auslastung der deutschen Opel-Standorte. Opel wollte sich nicht dazu äußern.

Die Angaben der Gewerkschaft deuten darauf hin, dass sich IG Metall und GM im Grundsatz bereits darauf verständigt haben, betriebsbedingte Kündigungen an den deutschen Standorten bis Ende 2016 auszuschließen. Die Fahrzeugproduktion im Opel-Werk Bochum mit über 3000 Beschäftigten würde danach auslaufen. Für einen Teil der Belegschaft sollen Arbeitsplätze in einer Teilefertigung in der Stadt im Ruhrgebiet entstehen. Dies will sich die Gewerkschaft vertraglich von GM zusichern lassen.

Unklar war zunächst noch, ob die Gewerkschaft durchsetzen kann, dass GM die zentrale Fertigungsplanung, den Werkzeugbau und den Prototypenbau am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim belässt. Am Wochenende waren Pläne durchgesickert, der US-Konzern wolle diese Bereiche ins Ausland verlagern. Davon wären 700 Arbeitsplätze betroffen.

GM hatte bereits angekündigt, bei einem Scheitern der Gespräche fühle sich das Management nicht mehr an das Angebot gebunden, die Fahrzeug-Produktion in Bochum erst 2016 statt Anfang 2015 einzustellen. Der Mutterkonzern strebt eine Einigung bis spätestens Freitagfrüh an, um dem neuen Opel-Chef Karl-Thomas Neumann Anfang März einen möglichst unbelasteten Start zu ermöglichen.

HOHE VERLUSTE AUFGETÜRMT

Der weltweit zweitgrößte Autobauer GM steht bei der Sanierung seines defizitären Europageschäfts unter Zugzwang, seitdem der US-Rivale Ford die Schließung von drei Werken in Belgien und Großbritannien mit 5700 Beschäftigten angekündigt hat. Durch die Einschnitte will Ford bis 2015 in Europa wieder profitabel werden.

GM türmte im vergangenen Jahr mit den beiden Marken Opel und Vauxhall einen Betriebsverlust von satten 1,8 Milliarden Dollar auf, fast drei Mal so viel wie im Jahr davor. Ähnlich wie der französische Partner Peugeot setzte GM den Wert seiner Fabriken und Maschinen in Europa niedriger an - und zwar um 5,2 Milliarden Dollar. Das GM-Management um Konzernchef Dan Akerson will bis zur Mitte des Jahrzehnts in Europa schwarze Zahlen schreiben. Im laufenden Jahr soll der Verlust zumindest etwas eingedämmt werden.

 
A sign reading 'Opel AG' is pictured at the Opel plant of Bochum October 24, 2012. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: TRANSPORT BUSINESS EMPLOYMENT) - RTR39I9P