Bayer-Chef verspricht Rekorde zum Firmenjubiläum

Donnerstag, 28. Februar 2013, 18:56 Uhr
 

Leverkusen (Reuters) - Bayer startet in seinem Jubiläumsjahr durch: Auch hohe Kosten für Rechtsstreitigkeiten in den USA und der teure Markstart neuer Arzneien sollen den Leverkusener Konzern nicht aus der Spur werfen.

"Wir erwarten für 2013 und darüber hinaus eine Fortsetzung des Rekordkurses", gab sich Bayer-Chef Marijn Dekkers am Donnerstag optimistisch. Der Konzern, der sein 150-jähriges Bestehen feiert, will mit seinen fünf wichtigsten neuen Medikamenten bereits 2015 über 2,5 Milliarden Euro umsetzen. Das ist früher als von vielen Analysten erwartet. An der Börse konnte Bayer kräftig punkten. Bayer-Papiere waren mit einem Kursplus von mehr als zwei Prozent größter Gewinner im DAX.

Für das laufende Jahr stellte Dekkers einen Umsatzanstieg von vier bis fünf Prozent auf rund 41 Milliarden Euro in Aussicht - Währungseinflüsse sowie Zu- und Verkäufe herausgerechnet. Seinen bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) will Bayer im mittleren einstelligen Prozentbereich erhöhen. Den Aktionären versprach Dekkers für 2012 eine deutliche Anhebung der Dividende um 15 Prozent auf 1,90 Euro je Aktie.

Im vergangenen Jahr kletterte der Konzernumsatz um neun Prozent auf knapp 40 Milliarden Euro. "Damit haben wir einen neuen Spitzenwert in unserer nun 150-jährigen Unternehmensgeschichte erzielt", sagte Dekkers. Dabei steigerte Bayer seinen Umsatz in den Schwellenländern gut doppelt so stark wie in den Industrieländern. Bayer hatte dort zuletzt kräftig in den Ausbau der Geschäfte investiert, was sich nun auszahlt. Der um Sondereinflüsse bereinigte operative Gewinn (Ebitda) nahm um ebenfalls knapp neun Prozent auf 8,3 Milliarden Euro zu. Dazu trug auch ein Sparprogramm bei, das Dekkers kurz nach seinem Amtsantritt im Herbst 2010 eingeleitet hatte.

Besonders rund liefen die Geschäfte der Pflanzenschutzsparte - die Agrarchemie glänzte zuletzt auch bei Chemiekonkurrenten wie Dow Chemical und BASF. Im Pharmageschäft entwickelten sich die Geschäfte vor allem in Nordamerika und in den Schwellenländern prächtig. In Europa lasteten dagegen die Sparmaßnahmen in den Gesundheitssystemen auf der Pharmasparte. Im Kunststoffgeschäft stach im vergangenen das Geschäft mit Polyurethanen hervor. Gestiegene Rohstoff- und Energiekosten konnte Bayer aber nicht voll auf seine Kunden abwälzen.

HOHE KOSTEN FÜR RECHTSSTREITS IN DEN USA DRÜCKEN DEN GEWINN

Ein Wermutstropfen waren 2012 die hohen Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten in den USA. Allein für Probleme mit den Antibabypillen Yaz und Yasmin brachte Bayer 1,19 Milliarden Euro an Aufwendungen in der Jahresbilanz unter. Das schmälerte den Konzerngewinn, der um ein Prozent auf 2,45 Milliarden Euro zurückging. Rund 455 Millionen Euro Aufwendungen waren es im vierten Quartal, der Großteil für Vergleiche mit Klägerinnen in den USA. Dort währt die gerichtliche Auseinandersetzung um Thrombose-Gefahren der Bayer-Antibabypillen schon Jahre. Bis zum 12. Februar verglich sich Bayer mit 4800 Klägerinnen und zahlte dafür rund eine Milliarde Dollar.

In diesem Jahr will sich Bayer auf neue Medikamente konzentrieren, die nach und nach auf den Markt kommen sollen. Fünf neuen Präparaten gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Augenleiden traut Bayer zusammen einen jährlichen Spitzenumsatz von über 5,5 Milliarden Euro zu. Anders als Rivalen wie Pfizer oder AstraZeneca kämpft Bayer derzeit nicht mit großen Nachschubproblemen. Der Marktstart der neuen Produkte ist aber mit erheblichen Kosten verbunden.

Wichtigstes neues Medikament ist das Thrombose-Mittel Xarelto, das in mehr als 120 Ländern auf dem Markt ist und vor allem Schlaganfälle verhindern soll. Allerdings droht Bayer hier neue Konkurrenz durch das Mittel Eliquis von Pfizer und Bristol-Myers Squibb, das Ende Dezember die Zulassung in den USA bekam. Bis 2015 steuert Bayer in seiner Gesundheitssparte HealthCare 22 Milliarden Euro Umsatz an. Der Umsatz der Pflanzenschutzsparte soll sich bis dahin in Richtung zehn Milliarden Euro entwickeln.

 
A woman walks in front of the building of Germany's largest drugmaker Bayer HealthCare Pharmaceuticals in Berlin April 28, 2011. The German drugmaker raised its full-year sales and earnings outlook on strong demand for its pesticides, as high prices for agricultural commodities drive spending by farmers. REUTERS/Fabrizio Bensch (GERMANY - Tags: BUSINESS HEALTH)