Telekom Austria stellt sich auf raue Zeiten ein

Donnerstag, 28. Februar 2013, 16:15 Uhr
 

Wien (Reuters) - Telekom-Austria-stellt sich auf raue Zeiten ein.

Der scharfe Wettbewerb am Heimatmarkt, die schwache Wirtschaftsentwicklung sowie die strenge Regulierung würden auch im laufenden Jahr das Ergebnis des österreichischen Marktführers belasten, sagte Firmenchef Hannes Ametsreiter am Donnerstag. Am Ausblick hielt der teilstaatliche Konzern fest: Für die Erlöse wird ein Rückgang auf 4,1 (Vorjahr: 4,3) Milliarden Euro erwartet. Die Dividende soll für 2012 und 2013 auf 0,05 Euro gekürzt werden, nachdem für 2011 noch 0,38 Euro je Aktie gezahlt wurden.

Die Telekom-Austria-Aktie machte am Donnerstag dennoch einen Sprung. Die Papiere stiegen an der Wiener Börse über sechs Prozent auf 5,16 Euro. Seit Jahresbeginn liegen sie allerdings immer noch über 15 Prozent im Minus. Marktteilnehmer führten das jüngste Kursplus darauf zurück, dass es nach den negativen Nachrichten in den letzten Wochen keine weitere Enttäuschung gegeben habe. Zudem lagen die Zahlen leicht über den Erwartungen der Analysten.

Dem scharfen Gegenwind will der Telekom-Austria-Boss mit weiteren Kosteneinsparungen von mindestens 100 Millionen Euro standhalten. "Die Einsparungen ziehen sich quer durch alle Bereiche", sagte Ametsreiter, dessen Vertrag kürzlich für weitere drei Jahre verlängert wurde. In Österreich wird das Ergebnis auch durch die Personalstruktur belastet. 80 Prozent der rund 16.400 Mitarbeiter sind unkündbare Beamte. Im Vorjahr seien 771 Stellen abgebaut worden - vor allem in Bulgarien und Österreich. Gut 300 Mitarbeiter hätten das Angebot genützt, zum Bund zu wechseln, etwa in das Innen- oder Finanzministerium.

TELEKOM AUSTRIA SCHLIESST SCHLUSSQUARTAL MIT VERLUST AB

2012 kehrte die Telekom Austria in die Gewinnzone zurück. Im vierten Quartal schrieben die Österreicher aber bei einem nahezu stabilen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro einen Verlust von 76,3 (Vorjahr: Verlust von 321,5) Millionen Euro. Finanzchef Hans Tschuden begründete den Fehlbetrag mit einem steuerlichen Einmaleffekt. Im Gesamtjahr wurde ein Gewinn von 104 Millionen Euro erzielt. Im Vorjahr stand wegen hoher Kosten für einen Mitarbeiterabbau und Abschreibungen auf die weißrussische Tochter noch ein Verlust von 252,8 Millionen Euro zu Buche.

TELEKOM AUSTRIA WILL 2013 RUND 700 MIO EURO INVESTIEREN

Im laufenden Jahr sollen rund 700 Millionen Euro investiert werden, wobei die Kosten für Lizenzen, Frequenzen und Zukäufe nicht enthalten seien. Angaben zu den erwarteten Kosten für die für Herbst geplante Versteigerung neuer Mobilfunkfrequenzen im 800 MHz-Bereich wollte Ametsreiter keine machen. Mit den neuen Frequenzen können die Anbieter neben den Ballungszentren auch den ländlichen Raum erschließen. Finanziell sieht sich die Firma gut aufgestellt. Die Begebung einer Hybridanleihe habe zu einer Erhöhung des Eigenkapitals auf 1,4 Milliarden Euro geführt. "Unser gesamter Finanzierungsbedarf ist für 2013 gedeckt", sagte Finanzvorstand Tschuden. Zusatzeinnahmen erwartet sich die Firma vom Start von schnellem Internet für Mobiltelefone in Österreich. Wollen Smartphone-Nutzer künftig auf die neue LTE-Technologie zugreifen, müssen sie zehn Euro pro Monat zusätzlich zahlen.

TELEKOM AUSTRIA IST MIT IHREN PROBLEMEN NICHT ALLEINE

Telekom-Firmen in ganz Europa haben es derzeit nicht leicht. Ihnen machen die strengen Regulierungen, die hohen Kosten für die Aufrüstung der Netze durch die zunehmende Internetnutzung über Smartphones sowie die maue Konjunktur zu schaffen. Die Deutsche Telekom hat im vergangenen Jahr die ersten roten Zahlen seit zehn Jahren geschrieben. Aber auch die O2-Mutter Telefonica hat wegen hoher Abschreibungen auf Geschäfte in den Euro-Krisenstaaten Italien und Irland einen Gewinneinbruch verzeichnet. Auch die Rivalen der Telekom Austria am Heimatmarkt Österreich kämpfen mit Umsatzrückgängen. Der Chef der Deutschen-Telekom-Tochter T-Mobile Austria, Andreas Bierwirth, kündigte für das laufende Jahr einen Rückgang im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich an. "2014 sehen wir eine Stabilisierung der Umsätze, und 2015 sollte es wieder leicht nach oben gehen", kündigte Bierwirth an. 2012 schrumpfte der Umsatz um fünf Prozent.