Erste Group erwartet auch 2013 keine großen Sprünge

Donnerstag, 28. Februar 2013, 17:07 Uhr
 

Wien (Reuters) - Die Erste Group muss noch länger auf den erhofften Aufschwung in Osteuropa warten.

Zwar entwickle sich in einzelnen Ländern die Wirtschaft besser als 2012 - die Krise in der Eurozone verhindere jedoch ein Wachstum auf breiter Front, sagte Bankchef Andreas Treichl am Donnerstag. Das Spitzeninstitut der österreichischen Sparkassen geht daher für das laufende Jahr von einem stagnierenden Betriebsergebnis von rund 3,5 Milliarden Euro aus. "Ich glaube nicht, dass man sagen kann, dass die Wende geschafft ist", sagte Treichl. Im Herbst war er noch optimistischer gewesen und hatte ein steigendes Betriebsergebnis in Aussicht gestellt.

Die Erste Group gehört wie ihre Konkurrentinnen Raiffeisen Bank International und Bank Austria zu den größten Kreditgebern in Zentral- und Osteuropa. Dort hatten den Instituten zuletzt das maue Kerngeschäft mit Krediten für Unternehmen und Privatleute sowie steigende Vorsorgen für faule Kredite zu schaffen gemacht. Grund für beides ist die schwache Wirtschaftsentwicklung, die die Nachfrage nach Konsumkrediten bremst und viele Unternehmen in Turbulenzen bringt.

Die Erste Group verbuchte im vergangenen Jahr einen Gewinn von 484 Millionen Euro nach einem Minus von 719 Millionen Euro im Vorjahr. Ohne erneute Abschreibungen auf die rumänische Tochter BCR wäre das Plus noch deutlich höher ausgefallen. Die Aktionäre sollen für 2012 eine Dividende von 40 Cent erhalten - nachdem sie im Vorjahr leer ausgegangen waren.

Im laufenden Jahr rechnet Treichl konzernweit mit einem erneut zweistelligen prozentualen Rückgang bei den Vorsorgen für faule Kredite - vor allem wegen einer besseren Entwicklung der rumänischen Tochter. Sie soll 2013 wieder in die Gewinnzone zurückkehren, nachdem sie zuletzt Verluste von 295 Millionen Euro verbucht hatte.

EINIGUNG IM KAPITALSTREIT BEFLÜGELT AKTIE

An der Börse stand am Donnerstag jedoch ein anderes Thema im Vordergrund: Im Streit um die Anrechenbarkeit des Kapitals der einzelnen österreichischen Sparkassen zeichne sich eine Einigung zugunsten der Erste Group ab, sagte Treichl. Die Bank befindet sich mit den Sparkassen zwar in einem Haftungsverbund, hält aber nicht alle Anteile. Nach den neuen Kapitalvorschriften unter Basel III hätte die Bank das Kapital der Sparkassen daher nicht mehr komplett in die Bilanz nehmen dürfen - und damit auf 1,6 Milliarden Euro anrechenbares Kapital verzichten müssen, wie Treichl sagte. Um das zu verhindern, hatten die Österreicher monatelang Druck auf die EU-Kommission gemacht. "Das wäre ein schwerer Schlag für uns gewesen, und es ist erfreulich, dass uns das erhalten bleibt", sagte Treichl. Die Erste-Aktie legte rund drei Prozent zu.

Für weitere Übernahmen hat Treichl vor allem die Märkte in Polen und Serbien im Blick. Während sich die Erste in Serbien für die zum Verkauf stehende Tochter der kriselnden Hypo Alpe Adria interessiere, gebe es in Polen keine konkreten Pläne. Grund seien die derzeit hohen Preise für polnische Banken, die nach Einschätzung von Treichl wohl nicht so bald sinken dürften.

Bei seinen Pläne für die Rückzahlung des in der Krise erhaltenen staatlichen Partizipationskapital über 1,2 Milliarden Euro ließ sich Treichl nicht in die Karten schauen. "Wenn wir Plane hätten, würden wir sicherlich nicht darüber reden", sagte er. Auch ohne das Staatsgeld könne die Erste Group die Anforderungen der Regulierer problemlos erfüllen, ergänzte er. Die harte Kernkapitalquote stieg per Ende des Jahres auf 11,2 von 9,4 Prozent.

Bei der Rückzahlung der Krisengelder der EZB ist die Bank schneller: Das Institut habe bereits rund vier Milliarden der langfristigen Refinanzierungen (LTRO) zurückgegeben. 150 Millionen Euro sind noch offen.