Online-Boom hilft ProSiebenSat.1 über TV-Schwäche hinweg

Donnerstag, 28. Februar 2013, 17:07 Uhr
 

Unterföhring (Reuters) - Boomende Geschäfte im Internet helfen ProSiebenSat.1 über die Schwäche seiner Fernsehsender hinweg.

Das Zubrot mit Videos, Spielen und Musik im Netz sowie seine Partnerschaften mit Online-Händlern bescherte dem Konzern 2012 einen Rekordumsatz und ein dickes Gewinnplus. "Wir werden die Vernetzung unseres TV-Kerngeschäfts mit den digitalen Aktivitäten weiter intensivieren", kündigte Vorstandschef Thomas Ebeling am Donnerstag zur Bilanzvorlage in Unterföhring bei München an. Er erwarte deshalb weiter steigende Erlöse und Gewinne, künftig auch wieder im Fernsehgeschäft. "Unser Start in 2013 war exzellent gut", sagte Ebeling. Die Aktie legte um 6,5 Prozent zu und war größter Gewinner im Nebenwerteindex MDax.

Ebeling macht den Konzern hübsch für den geplanten Ausstieg der Hauptaktionäre KKR und Permira. Ein Abschied der beiden Finanzinvestoren wird ab September erwartet, sobald die von der Hauptversammlung im Juli geplante Ausstattung der börsennotierten Aktien mit Stimmrechten juristisch in trockenen Tüchern ist. Wenn die bereits stimmberechtigten Anteile der beiden Haupteigner dann auf den Markt kommen, hat ProSiebensat.1 gute Chancen auf einen Aufstieg in den Leitindex Dax. Ebeling hofft auf neue Eigner mit Branchenerfahrung. "In einer idealen Welt wünsche ich mir langfristig orientierte, strategische, nicht dominante Investoren", sagte der Vorstandschef.

Der TV-Konzern steigerte seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 7,7 Prozent auf 2,96 Milliarden Euro. Das war etwas mehr als das von Ebeling in Aussicht gestellte Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich und übertraf auch die Schätzungen von Branchenexperten. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) legte um 2,6 Prozent auf 872 Millionen Euro zu, der Überschuss wuchs sogar um 12,4 Prozent auf 295 Millionen Euro.

PARTNERSCHAFT MIT ONLINE-HÄNDLERN WIRD ZUM RENNER

Den Löwenanteil der Erlöse steuerten mit 1,9 Milliarden Euro zwar weiterhin die deutschsprachigen Fernsehsender bei, die mit einem bereinigten Ebitda von 660 Millionen Euro auch nach wie vor die größten Gewinnbringer sind. Wachstum kam jedoch allein aus den beiden Sparten digitale Angebote sowie Produktion und Vertrieb, mit deren Ausbau Ebeling die Abhängigkeit des Unternehmens von TV-Werbeeinnahmen verringern will. Zum Kassenschlager entwickelt sich die Partnerschaft mit Online-Händlern - allein in diesem Geschäft stiegen die Erlöse um 121 Prozent. ProSiebenSat.1 bietet den Unternehmen schwer verkäufliche Werbezeiten an und wird im Gegenzug am Geschäft beteiligt. Ehemals kleine Online-Anbieter wie der Schuh- und Modeversender Zalando erreichen damit in Kürze ein Millionenpublikum.

Anders als die Sender von ProSiebenSat.1 konnte der Rivale RTL Umsatz und Gewinn in Deutschland im vergangenen Jahr deutlich steigern. Die RTL-Gruppe litt allerdings unter schwachen Geschäften in anderen Ländern, die Zugewinne im deutschen Hauptmarkt wieder ausglich.

ProSiebenSat.1 zieht sich gerade vollständig aus den nicht deutschsprachigen TV-Märkten zurück. Nach den Sendern in den Niederlanden und Belgien wurden im vergangenen Jahr auch jene in Skandinavien verkauft. Diese Transaktion solle bis Ende März abgeschlossen werden, kündigte ProSiebenSat.1 am Donnerstag an. Die Einnahmen aus dem Verkauf fließen auf Geheiß der Haupteigner KKR und Permira überwiegend den Aktionären zu: Wie bereits angekündigt, schüttet ProSiebenSat.1 in diesem Jahr 1,2 Milliarden Euro als Dividende aus - fast fünfmal so viel wie 2012.

- von Jörn Poltz