"FAZ" kauft "FR" - Will linksliberale Zeitung erhalten

Donnerstag, 28. Februar 2013, 17:08 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Vom Rivalen zum Retter: Die konservative "Frankfurter Allgemeine Zeitung" kauft die "Frankfurter Rundschau" und will sie als linksliberale Tageszeitung erhalten.

"Als unabhängige Stimme soll die Frankfurter Rundschau auch in Zukunft wesentlich zur Meinungsvielfalt beitragen", erläuterte FAZ-Geschäftsführer Tobias Trevisan am Donnerstag im Frankfurter Presseclub. Die neuen Eigentümer trauen sich zu, das seit Jahren Verluste schreibende und zuletzt insolvente Traditionsblatt aus den roten Zahlen zu holen. "Wir wollen die FR von Fixkosten im Druck- und Verlagsbereich entlasten und wirtschaftlich betreiben", gab sich Trevisan zuversichtlich. Das Gros der FR-Mitarbeiter wird allerdings den Job verlieren: Von den rund 450 Beschäftigten übernimmt die FAZ nur 28 Redakteure, die über Frankfurt und die Region berichten sollen.

Die überregionale Berichterstattung soll zunächst weiter von der DuMont-Redaktionsgemeinschaft in Berlin zugeliefert werden. Auch das Internet-Angebot und das Tabloid-Format der "FR" bleiben erst einmal erhalten. In einer Übergangszeit von drei Monaten soll die neue Redaktionsstruktur auf die Beine gestellt werden. Der für den Internet-Auftritt verantwortliche Chefredakteur Rouven Schellenberger verlässt im Zuge der Übernahme die "Rundschau", CO-Chefredakteur Arnd Festerling bleibt dagegen an Bord. "Ich bin froh", fasste er seine Stimmung zusammen. "Es ist ein Glück, wenn man für einen Verlag arbeitet, der weiß, wie man eine Zeitung macht, der weiß, was das kostet und der sich nicht in die redaktionelle Arbeit einmischt." Dennoch wolle er den Posten des Chefredakteurs in der Zukunft an einen Nachfolger abgeben, der nun gemeinsam gesucht werde.

Nach wochenlangen Verhandlungen besiegelten die FAZ und der Schwesterverlag Frankfurter Societät, die beide mehrheitlich der Fazit-Stiftung gehören, am Donnerstag mit dem Insolvenzverwalter Frank Schmitt die Übernahme der "Rundschau". Verkauft wurden dabei nur die Markenrechte und die Kundendatei, das Druck- und das Verlagsgeschäft verbleibt als Insolvenzmasse unter Schmitts Regie. "Letztendlich hat die gesamte Belegschaft diese kleine Sanierungslösung getragen", sagte Schmitt, der den Kaufpreis nicht nennen wollte. Angebote anderer Investoren seien nicht tragfähig gewesen. Das Kartellamt stimmte dem Kauf bereits zu. Gegründet wird nun die neue Frankfurter Rundschau GmbH, an der die Frankfurter Societät, die auch die Regionalzeitung "Frankfurter Neue Presse" herausgibt, mit 55 Prozent und die FAZ mit 35 Prozent beteiligt werden. Somit liegen nun alle drei Frankfurter Tageszeitungen in denselben Händen.

"FAZ", "FNP", "FR" - ALLE IN DENSELBEN HÄNDEN

Vor allem mit der Bündelung des Anzeigengeschäfts dieser drei Zeitungen wollen die Eigentümer Synergieeffekte erzielen. Gedruckt wird die Frankfurter Rundschau künftig von der Frankfurter Societäts-Druckerei GmbH. Obwohl die 28 FR-Redakteure in die Gebäude der Frankfurter Societät umziehen werden, sollen die Redaktionen strikt getrennt bleiben. "Es wird keinen Austausch geben", sagte Societäts-Geschäftsführer Hans Homrighausen, der auch die Geschäftsführung der neuen Rundschau GmbH übernimmt. Über die meinungspolitische Unabhängigkeit der Rundschau soll auch die frühere Miteigentümerin der "FR", die Karl-Gerold-Stiftung, wachen, die mit zehn Prozent an der neuen Gesellschaft beteiligt wird. "Entscheidend ist, dass die Rundschau die Rundschau bleibt und sich nicht schleichend verändert", sagte Roderich Reifenrath, Kuratoriumsmitglied der Stiftung und langjähriger FR-Chefredakteur. Die linksliberale Grundhaltung der Zeitung werde im Gesellschaftsvertrag festgeschrieben und sei auch weiter Bestandteil der Anstellungsverträge von Journalisten.

Unterstützt werden sollen die 28 FR-Redakteure von einem Heer freier Mitarbeiter und Autoren und durch den ortsansässigen Redaktionsdienstleister Pressedienst Frankfurt, der seine Mitarbeiter deutlich aufstocken will. Dennoch sind die Größenordnungen sehr unterschiedlich: Die FAZ wird von mehr als 300 Redakteuren in Berlin und Frankfurt und 70 In- und Auslandskorrespondenten gemacht. Auch die Auflage spricht Bände: Die FAZ verkauft rund 350.000 Exemplare, die FR rund 60.000 bis 70.000.