Kartellamt nimmt ThyssenKrupp erneut ins Visier

Donnerstag, 28. Februar 2013, 18:53 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Der von Milliardenverlusten und Kartellverstößen erschütterte ThyssenKrupp-Konzern ist erneut in das Visier der Wettbewerbshüter geraten.

Das Bundeskartellamt habe am Donnerstag die Geschäftsräume von ThyssenKrupp Steel Europe in Duisburg durchsucht, teilte das Unternehmen mit. Es gehe um den Verdacht von illegalen Absprachen bei Stahl für die Autobranche. Die Wettbewerbshüter nahmen aber nicht nur Razzien bei ThyssenKrupp vor: Insgesamt seien drei Unternehmen der Stahlbranche durchsucht worden, sagte ein Sprecher. Durchsuchungen habe es an insgesamt vier Unternehmensstandorten in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen gegeben. Auch Wohnungen von verdächtigen Personen seien überprüft worden.

"Laut Durchsuchungsbeschluss geht es um den Vorwurf von wettbewerbsbeschränkenden Absprachen zwischen Marktteilnehmern im Bereich bestimmter Stahllieferungen für die Automobilindustrie in Deutschland", teilte ThyssenKrupp weiter mit. Nähere Details wollte der Konzern wegen der laufenden Ermittlungen nicht nennen. Dem Kartellamt zufolge geht es um den Verdacht illegaler Absprachen für den Vertrieb von Bandstahl. An den Durchsuchungen hätten sich 19 Mitarbeiter der Behörde sowie Polizisten beteiligt.

Kartellverstöße würden in keiner Weise geduldet, erklärte ThyssenKrupp. "Bei ThyssenKrupp gilt das Prinzip 'Null Toleranz'. Sollten die veranlassten Untersuchungen ergeben, dass sich die Vorwürfe erhärten, werden wir hart durchgreifen", kündigte Vorstandschef Heinrich Hiesinger an. ThyssenKrupp unterstütze die Behörden bei den Ermittlungen.

Für den Konzern kommen die Ermittlungen zur Unzeit. Der Konzern hatte das vergangene Geschäftsjahr 2011/12 mit einem Nettoverlust von fünf Milliarden Euro abgeschlossen. Nach Korruptionsvorwürfen und Kartellverstößen hatte Hiesinger eine neue Unternehmenskultur angekündigt. Wegen verbotener Absprachen von Schienenherstellern hatte der Konzern erst im vergangenen Jahr ein Bußgeld von rund 100 Millionen Euro zahlen müssen. Dem Konzern drohen in dem Fall Schadenersatzforderungen der Deutschen Bahnund kommunaler Verkehrsbetriebe von mehren hundert Millionen Euro. Vor einigen Jahren hatte das Unternehmen wegen Kartellabsprachen seiner Aufzugstochter ein Bußgeld in dreistelliger Millionenhöhe zahlen müssen.