RWE-Chef fährt Investitionen zurück und setzt auf Kohlekraft

Donnerstag, 18. April 2013, 10:27 Uhr
 

ESSEN (Reuters) - Nach den Einbußen durch die Atomwende bereitet der Energiekonzern RWE seine Aktionäre auf eine längere Durststrecke vor.

"Nach 2013 wird es kaum möglich sein, das Ergebnisniveau zu halten", sagte Vorstandschef Peter Terium am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Essen laut Redetext. Der Konzern werde auf Dauer nicht mehr ausgeben können, als er einnehme. Auch angesichts der hohen Schulden müsse er seine Investitionen zurückfahren. "Nach 16 Milliarden Euro in den vergangenen drei Jahren werden wir in diesem und in den nächsten beiden Jahren insgesamt rund 13 Milliarden Euro investieren."

Terium bekräftigte die Prognose, wonach RWE im laufenden Jahr einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von neun Milliarden Euro anpeilt. 2012 waren es 9,3 Milliarden Euro. RWE kämpft mit wegbrechenden Gewinnen aus der Stromproduktion und einem schwächelnden Gasgeschäft. Zudem drücken den Konzern Schulden in Höhe von über 33 Milliarden Euro. Terium streicht tausende Stellen und will mit Beteiligungsverkäufen wie etwa der Öl- und Gasfördertochter Dea Milliardensummen in die klamme Kasse spülen. Der seit 2012 amtierende Vorstandschef will zwar das Geschäft mit erneuerbarer Energie weiter ausbauen, setzt aber auch in Zukunft auf die zahlreichen Kohlekraftwerke. Sie tragen zu mehr als der Hälfte der Stromproduktion des nach E.ON zweitgrößten deutschen Energiekonzerns bei.

Vor der Essener Grugahalle demonstrierten Umweltschützer gegen diesen Kurs. "RWE raus aus der Kohle", "RWE zerstört das Klima" und "RWE blockiert die Energiewende" war auf Transparenten unter anderem der Umweltschutzorganisation Greenpeace zu lesen. Die Folgen der Atomwende wurden aber auch hier deutlich. Zum einen schienen es weniger Demonstranten als in den Vorjahren zu sein, als der AKW-Wortführer Jürgen Großmann noch RWE führte. Zum anderen waren nur noch vereinzelt Transparente mit dem Slogan "Atomkraft? Nein Danke" zu sehen.

 
Peter Terium, chief executive of German power supplier RWE, addresses the company's annual news conference in Essen March 5, 2013. REUTERS/Ina Fassbender