Konzernumbau kostet - Axel Springer mit Ergebnisrückgang

Dienstag, 7. Mai 2013, 14:11 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Der Wandel vom traditionellen Verlag zum digitalen Medienkonzern nagt bei Axel Springer am Gewinn.

Nach einem Rückgang beim operativen Ergebnis (Ebitda) im ersten Quartal kündigte Konzernchef Mathias Döpfner am Dienstag im Jahresverlauf noch höhere Belastungen durch den Umbau des Printgeschäfts und Investitionen in die schnellere Digitalisierung an. Die Neuausrichtung sichere die Zukunft des Konzerns, betonte Döpfner. "Dafür nehmen wir Einbußen auf der Ertragsseite in Kauf." Das digitale Geschäft mit Online-Portalen wie der Job-Börse Stepstone oder dem Immobilienanbieter Seloger trägt schon jetzt knapp die Hälfte zum operativen Gewinn bei. Dagegen schrumpft das Printgeschäft mit Zeitungen wie "Bild", "Welt" oder dem "Hamburger Abendblatt" immer mehr. Insgesamt fiel das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im ersten Quartal um drei Prozent auf 132 Millionen Euro.

Die Anleger waren von dieser Entwicklung enttäuscht. Die im Mdax notierte Aktie fiel in einem positiven Marktumfeld um knapp ein Prozent auf 32,63 Euro.

Springer verlagert angesichts rückläufiger Printauflagen und damit sinkender Anzeigenerlöse sein Geschäftsmodell immer stärker ins Netz. Allein die Auflage der langjährigen Springer-Kassenschlager "Bild" und "BZ" brach im ersten Quartal um acht Prozent ein. "Der Jahresauftakt im Printgeschäft war nicht einfach", gab Döpfner zu. Die nationalen Zeitungen machten im ersten Quartal rund ein Viertel weniger Gewinn. Um online nicht nur mit Werbung, sondern auch mit dem Vertrieb von Printprodukten zu verdienen, will Springer seine Bezahlmodelle systematisch ausbauen und sieht sich damit als Vorreiter für andere Verlage. Bei der "Welt" ist eine entsprechende Schranke für das Online-Angebot seit einigen Monaten in Kraft. Laut Döpfner werden nun pro Tag mehr digitale als analoge Abos verkauft. Wie viel Springer damit einnimmt, ließ der Konzern erneut offen.

SCOUT24-GRUPPE WEITER IM VISIER

Springer stärkt sein digitales Geschäft seit Jahren mit Zukäufen. Vor allem im Ausland hat der Konzern zugelangt und zuletzt unter anderem das polnische Web-Portal Onet und den belgischen Immobilienmarkt-Anbieter Immoweb erworben. Dies zahlt sich aus: Das digitale Geschäft hat sich zum kontinuierlichen Wachstumstreiber entwickelt. Allein im ersten Quartal verdiente der nun größte Geschäftsbereich, zu dem beispielsweise auch der Online-Marketinganbieter Zanox gehört, 34 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Einkaufstour ist laut Döpfner noch längst nicht beendet. Seit Monaten wird über einen Kauf der Scout24-Gruppe (Immoscout24, Autoscout24, TravelScout24) von der Deutschen Telekom spekuliert. Man habe weiterhin Interesse, vor allem die Immobilienportale würden sich ergänzen, sagte Döpfner. Kostendisziplin sei jedoch entscheidend.

Der Umsatz des Konzerns mit rund 14.600 Mitarbeitern legte zu Jahresbeginn um 1,8 Prozent auf 804 Millionen Euro zu. Die digitalen Medien erlösten knapp 21 Prozent mehr und profitierten von einem starken Wachstum im Ausland. Für das Gesamtjahr rechnet Springer mit einem Umsatzplus im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Beim Ebitda geht Finanzchef Lothar Lanz von einem Rückgang im höheren einstelligen Prozentbereich aus.