Finanzaufseher Sanio gibt Manager-Entlohnung Mitschuld an Krise
Frankfurt (Reuters) - Die Bezahlung von Managern ist nach Ansicht von Deutschlands oberstem Finanzaufseher Jochen Sanio mit ein Auslöser der Bankenkrise.
Die vom Gewinn abhängige Vergütung habe Führungskräfte zu hohen Risiken verleitet, sagte Sanio der Wochenzeitung "Die Zeit" laut einem Vorabbericht vom Mittwoch. "Unter diesem Gesichtspunkt sind die Gehaltsstrukturen in den Finanzhäusern durchaus ein Thema, will man Schwachstellen im internationalen Finanzsystem beseitigen."
Um die Krise zu bewältigen, plädiert der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für strengere Regeln auf internationaler Ebene. Als Auslöser der Misere sieht er die US-Hypothekenfinanzierer. "Sie haben in den vergangenen Jahren ihre Kreditvergabestandards stark gesenkt, in immer größerem Umfang Kredite auch an kreditunwürdige Personen ausgereicht - und sich eine goldene Nase verdient."
Hinzu komme das "Versagen" der Ratingagenturen, denen "das böse Spiel, das viele Hypothekenfinanzierer vor ihren Augen getrieben haben", völlig entgangen sei, sagte Sanio. Darum hätten die Bonitätsbewerter ihre Vertrauenswürdigkeit - ihr kostbarstes Gut - verloren. Investoren müssten daher die Risiken strukturierter Finanzprodukte selbst analysieren können - oder die Finger davon lassen. Da die maßgeblichen Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch weltweit einflussreich seien, sollten sie nicht nur der US-Aufsicht unterworfen sein, sondern nach internationalen Standards und von internationalen Einrichtungen kontrolliert werden, verlangte der BaFin-Chef. Ferner müssten die Verhaltensregeln schnell verschärft werden.
BEWERTUNG ZU MARKTPREISEN "BRANDBESCHLEUNIGER"
Ein Dorn im Auge ist Sanio auch der internationale Bilanzierungsstandard IAS, dessen Regeln in der Krise wie ein "Brandbeschleuniger" wirkten. Weil die Banken damit gezwungen seien, Finanzprodukte nach Marktpreisen zu bewerten, werde die negative Wertentwicklung womöglich deutlich überzeichnet. Damit werde das "Misstrauen erst richtig geschürt und die Krise immer weiter angeheizt".
Der Aufseher schlug eine Alternative vor: "Am besten wäre es, den Wert der Papiere nach den erwarteten Verlusten zu bemessen - so wie sich diese derzeit für die nächsten Jahre tatsächlich abschätzen lassen. Die Verluste würden dann wahrscheinlich über mehrere Jahre verteilt abgeschrieben", sagte er. Eine breite internationale Initiative müsse diese Änderung nun rasch durchsetzen.
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