GfK und TNS fusionieren zum zweitgrößten Marktforscher

Dienstag, 3. Juni 2008, 17:44 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Nürnberger GfK und die britische Taylor Nelson Sofres (TNS) schließen sich zum weltweit zweitgrößten Marktforschungskonzern zusammen.

Geplant sei eine Fusion unter Gleichen zum neuen Unternehmen GfK-TNS, teilten beide Firmen am Dienstag mit. Im Zuge der Fusion werden jedem GfK-Aktionär pro Anteilsschein 11,74 neue TNS-Aktien angeboten. Da sich TNS-Aktien seit der Ankündigung der Fusionspläne Ende April um 40 Prozent verteuert haben, hat sich der Wert des Angebots für GfK-Aktionäre erhöht. Die GfK-Aktien führten am Dienstag mit einem Plus von sieben Prozent die Gewinnerliste im Kleinwerteindex SDax an.

Branchenexperten erwarten allerdings, dass das britische Marketingunternehmen WPP, dessen umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot TNS zurückgewiesen hatte, noch für erhebliches Störfeuer sorgen könnte.

TNS-Aktionäre und GfK-Aktionäre sollen nach Vollzug des Zusammenschlusses je rund 50 Prozent des Grundkapitals von GfK-TNS halten. Die Fusion, die unter dem Vorbehalt steht, dass 75 Prozent der GfK-Aktien abgegeben werden, soll im vierten Quartal über die Bühne gehen. Die GfK-TNS-Aktien sollen primär an der Londoner Börse gehandelt werden, eine Zweitnotierung ist in Frankfurt vorgesehen. Sitz des fusionierten Unternehmens soll London sein, die deutsche Hauptverwaltung in Nürnberg bleiben. Während GfK-Aufsichtsratschef Hajo Riesenbeck künftig dem Kontrollgremium von GfK-TNS vorstehen soll, soll TNS-Vorstandschef David Lowden die operative Führung übernehmen und sich der GfK-Finanzchef Christian Weller von Ahlefeld sich um die Finanzen des fusionierten Konzerns kümmern.

STELLENKÜRZUNGEN ERWARTET

Die beiden Firmen rechnen innerhalb von drei Jahren nach Abschluss des Deals mit Einsparungen von jährlich knapp 100 Millionen Euro, wobei zunächst aber Kosten für die Fusion von 120 Millionen anfallen. Nach Einschätzung von Branchenexperten sind die angepeilten Gewinnziele nur durch Stellenstreichungen im größeren Stil zu erzielen. Analysten erwarten zudem, dass WPP sein Angebot von derzeit ist es 236 Pence je TNS-Aktie wert - deutlich erhöhen könnte. Nach Einschätzung der Bank ABM Amro könnte WPP bis auf 285 Pence aufstocken, nach Meinung von UBS sogar auf 300.

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) als weltweite Nummer fünf der Branche kam 2007 auf einen Umsatz von 1,16 Milliarden Euro. TNS ist mit mehr als 1,3 Milliarden Euro die Nummer drei. Zusammen können sie den Druck auf Marktführer AC Nielsen wohl erhöhen.

Die 1934 gegründete GfK hat rund 9000 Mitarbeiter. Bekannt ist sie vor allem für die von ihr ermittelten Fernseh-Einschaltquoten in Deutschland und für den Konsumklima-Index, der jeden Monat die Stimmung der deutschen Verbraucher misst. Wichtiger sind aber Marktforschungsdaten für Unternehmen wie Henkel und Panasonic.

TNS liefert Daten und Studien an politische Organisationen, Medien, Einzelhändler, IT-Konzerne, Autobauer, Pharmaunternehmen und die Finanzbranche. In Deutschland gehören die Unternehmen TNS Infratest und TNS Emnid zur Unternehmensgruppe. Auf der Referenzliste der britischen Firma, die seit 1960 aus mehreren Fusionen entstanden ist, stehen unter anderem Procter & Gamble und Unilever.